Sichtschneise

"Kugelbäume" kein geeigneter Ersatz

Geesthacht (tja). Eine riesige Lücke im Baumbestand am Kronsberg in Krümmel beschäftigt Politik und Verwaltung von Stadt und Kreis. Knapp 100 Meter breit ist die Schneise, die durch den Einsatz einer Kettensäge wenig fachgerecht in den Wald geschlagen wurde, der an dem steilen Hang wächst.

Zahlreiche Bäume wurden gekappt oder gleich ganz gefällt - offenbar, um für einen besseren Blick von den angrenzenden Häusern auf die Elbe zu sorgen. Darunter leidet jetzt die Standsicherheit des Hanges oberhalb der Elbuferstraße.

Schon vergangenes Jahr im Herbst hatte Hans-Werner Madaus (SPD) die Verwaltung um eine Stellungnahme zu dem Kahlschlag gebeten. Er wollte wissen, wer für die Maßnahme verantwortlich sei, ob sie mit den Behörden abgesprochen war und ob sie fachlich korrekt ist. Die Antwort befriedigte den Sozialdemokraten nicht: Das Umweltamt hatte nach eingehender Prüfung erklärt, der Waldstreifen zwischen dem Kronsberg und der Elbuferstraße sei in Privatbesitz. Und obwohl bei der Fällaktion gegen die Regeln des Waldgesetzes verstoßen wurde, sah die Verwaltung nicht die Möglichkeit, eine Sanktion zu verhängen.

"Das ist schon Frevel", urteilte SPD-Fraktionschef Samuel Walter Bauer, nachdem er sich bei einem Spaziergang selbst von der Fällaktion ein Bild gemacht hatte. Ihn erstaune aber, so Bauer im Ausschuss für Umwelt und Planung, dass Geesthachts ehemaliger Grünen-Bundestagsabgeordneter, Thomas Wüppesal, der nahe der Schneise lebt, noch nicht aktiv geworden sei. Einer seiner Nachbarn sei der Waldbesitzer, der nun den schönen Elbblick genieße.

Jetzt beschäftigt Madaus den Ausschuss für Umwelt und Planung erneut mit dem Thema. Vor allem interessiert sich der Politiker für die "Kugelbäume", die kürzlich am Hang gepflanzt worden sind. Madaus meint, dass diese niedrig wachsenden Kiefern mit kugelförmigen Kronen an dem Standort untypisch sind, deshalb als Ersatz für die gerodeten Pflanzen ungeeignet. Außerdem hat er bei der Verwaltung angefragt, ob die Nutzung des Grünstreifens für Parkplätze genehmigt sei oder man einen Rückbau fordern könne.