Gefeiert

Eine mörderische Premiere

Geesthacht. Sie handelt kalt, berechnend, gefühl- und skrupellos. So machte sie Edgar Wallace zur Hauptfigur seines Krimi-Romans "Die seltsame Gräfin". Das Buch wurde Anfang 60er-Jahre verfilmt.

Seitdem wurde es eher ruhig um einen der klassischen britischen Krimis - bis sich der Börnsener Autor und Übersetzer Dirk Zellmer der Story angenommen und eine eigene Theaterfassung des Wallace-Klassikers schrieb. Am Sonnabend hat die Geesthachter Bürgerbühne im Oberstadttreff Premiere gefeiert, in einem zweistündigen Bühnenspiel "Die seltsame Gräfin" erstklassig dargeboten. "In dieser Form wird das Stück erstmals präsentiert. Kurzum: Welturaufführung mit der sonderbaren Eigenmarke - Dirk Zellmer spielt heute mit", freute sich die Gründerin der Bürgerbühne und Regisseurin Sabine Thieme.

Die Handlung sei wegen Folgeaufführungen am kommenden Wochenende (beide ausverkauft) hier nicht verraten. Ein typischer Krimi-Klassiker, mit britischem Flair, teils gar zäh und phlegmatisch erzählt, mörderisch, voller überraschender Wendungen und origineller, ja skurriler Gestalten. Genau das hat die Geesthachter Bürgerbühne aufgegriffen und mit gekonnter Rollenbesetzung auch diesmal erstklassiges Theaterspiel geboten. Allen voran Erika Danker in der Titelrolle sorgt in jeder geringsten Passage für die teils gruselige, teils rätselhafte Stimmung auf ihrem Anwesen. Während die Gräfin "cool", distanziert bleibt und stets altklug redet, werden deren Sohn, die Angestellten und Gäste immer wieder verunsichert. So begleitet die Frage "Was geht hier ab?" die gesamte Aufführung - bis zur detaillierten Aufklärung aller Details.

Oliver Lehmitz als Liebhaber der Gräfin, Kai Jahrmärker als Sohn, Claudia Hintzen als Sekretärin, Britta Babacé als schüchterne Freundin, Albert Herlyn und Nathalie Richling als Hausdiener - jeder der Darsteller überzeugt völlig. Mit angewandtem Schauspiel und nahezu unvergesslichen Kreationen warten dabei Wolfgang Brocks als korrupter und für jede Verstrickung bereiter Arzt, Christel Farag, Christiane und Roland Schnabel als "Freunde des Hauses" und Dirk Zellmer als Londoner Halunke auf. "Man darf es nicht vergessen: Es sind alles Laienspieler, die uns so ein tolles Theater bieten", meinte Zuschauerin Regina Maltzahn begeistert.

Im September 2003 wurde die Geesthachter Bürgerbühne von Sabine Thieme gegründet, servierte seitdem jedes Jahr gelungene Premieren, die von Loriot bis zum englischen Krimi reichen. Indes blickt das Bürgerbühnen-Team bereits weiter und kündigt mit "Wer glaubt schon an Engel?" die nächste Premiere an, die im Herbst folgt.