Betrugsverdacht

Staatsanwaltschaft durchsucht DRK-Räume

Geesthacht (tja). Jetzt kommt es dicke für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Lauenburgischen: Wie Klaus Crijns, Vorstand im DRK-Landesverband in Kiel, auf Anfrage bestätigte, durchsuchten gestern Staatsanwaltschaft und Polizei die Räume des Kreisverbands in Ratzeburg.

Wie Augenzeugen berichteten, transportierten Polizisten mit einem Kleinbus zahlreiche sichergestellte Unterlagen ab. Nach einem Beschluss des Innenausschuss des Kreistags hatte die Kreisverwaltung Anzeige wegen Betrugsverdacht gegen die Verantwortlichen des DRK-Kreisverbands erstattet. Es geht um gefälschte Rechnungen an den DRK-Kreisverband, mit denen sich ein noch unbekannter Mitarbeiter Geld ergaunert hatte. DRK-Geschäftsführer Martin Turowski hatte die Rechnungen als korrekt abgezeichnet und den Betrug damit erst ermöglicht. Laut Crijns ist Turowski mittlerweile von der Verantwortung für den Rettungsdienst entbunden worden.

Heute will Crijns mit Politikern darüber sprechen, wie der Landesverband des DRK die Situation einschätzt. Wie berichtet, steht morgen im Innenausschuss (16 Uhr, Lauenburgische Gelehrtenschule Ratzeburg) eine Kündigung des Vertrags zwischen Kreis und DRK zur Debatte. Crijns: "Wir sind nach einem Gutachten überzeugt, dass wir bombensicher juristisch abgesichert sind, dass es für eine außerordentliche Kündigung des Vertrags keine rechtliche Grundlage gibt." Für den Fall, dass der Kreis den Vertrag mit dem DRK nach 56 Jahren dennoch beenden sollte, zieht er rechtliche Schritte in Betracht. Man werde eine Kündigung nicht klaglos akzeptieren, so Crijns.

Der Landesverband der Hilfsorganisation hat sich in die verfahrene Situation eingeschaltet, weil der Kreisverband immer tiefer in die Probleme mit der Kreispolitik gerutscht ist. "Uns geht es auch darum, die Marke Rotes Kreuz rein zu waschen, wir wurden sehr in den Schmutz gezogen", erklärte Crijns. Er hätte sich gewünscht, wie es unter "normalen Kaufleuten" üblich wäre, so Crijns, dass man ein Gespräch führt und nach Lösungen für die Probleme sucht. Deren Ursache sieht er allein in der Umstellung der Buchführung beim Kreis. Die Umstellung habe die kriminellen Machenschaften im Kreisverband erst begünstigt.

Ob sich die Politiker, die von der Leitenden Verwaltungsdirektorin Dörte Kröpelin eine eindeutige Vorlage erhalten hatten, noch umstimmen lassen, wird sich in der Sitzung des Innenausschusses morgen zeigen. Kröpelin hatte eine weitere Zusammenarbeit des Kreises mit dem DRK als "unzumutbar" bezeichnet.