Fasten

Sieben Wochen ohne Fernsehen und Schokolade

Geesthacht (pas). Kein Fleisch, keine Milch - und das ganze sieben Wochen. Im Mittelalter verlangten die Päpste das von den gläubigen Christen. Ab Aschermittwoch sollten sie bis zur Osternacht fasten und damit für ihre Sünden büßen.

Heute denken die Meisten bei dem Begriff "Fasten" wohl eher an eine Diät, an einen Weg, schnell überflüssige Pfunde loszuwerden. Doch es gibt sie noch, die Menschen, die aus religiösen Gründen fasten. Antje Laudin, Pastorin in der evangelisch-lutherischen Gemeinde zum Beispiel. Die strengen Vorschriften aus dem Mittelalter, also kein Fleisch und keine Milch, sind ihr bei ihrer Fastenzeit allerdings nicht wichtig. "Ich verzichte auf lieb gewordene Gewohnheiten", sagt sie. Ab Aschermittwoch, der dieses Jahr auf den heutigen Mittwoch fällt, gibt es bei Antje Laudin keine Schokolade und kein Fernsehen mehr. "Schokolade esse ich unheimlich gerne. Aus meinem Urlaub in der Schweiz habe ich mir wieder einen großen Vorrat mitgebracht", erzählt sie. Gerne isst sie die Süßigkeit auch abends vorm Fernseher. "Da kommt es dann oft vor, dass ich mir irgendeine Sendung angucke, die ich eigentlich gar nicht sehen wollte und den Aus-Knopf auf der Fernbedienung nicht mehr finde", sagt die Pastorin.

Geht es beim christlichen Fasten also darum, den inneren Schweinehund zu besiegen? "Ja auch", sagt Laudin und fügt hinzu: "Durch den Verzicht auf bestimmte Genussmittel oder Gewohnheiten fängt man an, bewusster zu leben. Man kommt innerlich zur Ruhe und bekommt wieder ein Gespür für die Kostbarkeit von Dingen und Annehmlichkeiten, die man sonst als Selbstverständlich hinnimmt." Antje Laudin möchte durch den Verzicht ihre Wahrnehmung schärfen und wieder bewusster genießen lernen.

Für die Pastorin ist natürlich auch der religiöse Hintergrund des Fastens wichtig. "Jesus soll 40 Tage lang in der Wüste gefastet haben. Dabei hat er Versuchungen widerstanden und musste mit seinen Zweifeln klarkommen. Danach ist er dann gestärkt in die Welt gegangen, um seine Botschaft zu verbreiten", fasst Laudin zusammen.

Die Pastorin verzichtet seit 15 Jahren vor Ostern auf irgendetwas. "Damit habe ich während meines Theologiestudiums angefangen", erzählt Laudin. Viele Menschen in ihrer Gemeinde verzichten auch auf andere Dinge, wie Zigaretten oder Alkohol.

Sie freut sich auf ihre ganz persönliche Zeit des Verzichts. Auch deshalb, weil sie weiß, dass sie sich nach der Fastenzeit umso mehr auf bestimmte Dinge freuen kann. Zum Beispiel auf ein dickes Stück Schweizer Schokolade.