Bfw

Bildungswerk: Aus nach 30 Jahren

Geesthacht. Sie schulen Zerspanungsmechaniker und bilden Metallbauer aus. Sogar Fluggerätmechaniker waren bis vor kurzem in der Werkstatt des Berufsfortbildungswerks (Bfw) an der Steglitzer Straße richtig.

In 30 Jahren haben - gefördert von Arbeitsagentur und Jobcenter - Hunderte Jugendliche und Erwachsene hier an herkömmlichen und computergesteuerten Maschinen gelernt. Ein Großteil von ihnen bei Werkstattleiter Gerhard von Ahn (60) und Ausbilder Thomas Knaack (56). Die beiden Männer sind seit über 20 Jahren in der Einrichtung tätig. Doch damit ist jetzt Schluss. Das Bfw schließt seine Bildungsstätte in Geesthacht zum 31. August.

In den vergangenen Jahren habe der Geesthachter Standort ein deutliches Minus erwirtschaftet, sagt Bfw-Bereichsleiter Wolfgang Bernhardt. Weil der Bildungsmarkt hart umkämpft sei, könne das Bfw Defizite kaum auffangen. "Wir hatten hier im Norden ursprünglich drei Geschäftsstellen, seit Januar gibt es nur noch eine in Kiel", berichtet Bernhardt von weiteren Kürzungen. Ein grundsätzliches Problem für die Werkstätten sei die veränderte Ausschreibungspolitik. Da es keine festen Verträge wie einst mit den Arbeitsämtern mehr gebe, sei der Wettbewerb mit anderen Trägern hart. Außerdem habe sich die Dauer von Maßnahmen deutlich verkürzt. "Manchmal habe ich das Gefühl, wir verkommen zu Kopfgeldjägern, um wirtschaftliche Gruppen zusammenzubekommen", sagt Werkstattleiter von Ahn. Für eine angemessene Grundauslastung müssten im Schnitt 40 Leute in der Werkstatt aus- oder fortgebildet werden. "Seit einem Jahr sind es aber nur knapp die Hälfte", so Ahn.

Und das liegt nicht unbedingt an fehlenden Fördermitteln. Nach Informationen von Stefan Schröder, Sprecher der Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe, stehen in Geesthacht Mittel für 40 Qualifikations- und sechs Umschulungsplätze zur Verfügung. Aber derzeit fehlen die Leute. "Das liegt zum einen am guten Arbeitsmarkt", meint von Ahn. Außerdem hätten aber viele auch nicht die Möglichkeit, für die Zeit der Qualifikation oder Ausbildung mit weniger Geld auszukommen, würden deshalb Hilfstätigkeiten annehmen und die Maßnahme nicht durchziehen, obwohl sie hinterher die Chance auf einen besseren Job hätten. Das bestätigt auch Stefan Schröder: "Wir versuchen natürlich erst mal, in Arbeit zu vermitteln. Erst wenn das nicht klappt, bieten wir eine berufsbezogene Weiterbildung an." Aber wenn der finanzielle Druck da sei, werden die Weiterbildungen abgebrochen, sobald sich ein Job ergibt, weiß Schröder, der dafür Verständnis hat.

Auf der einen Seite freut sich Werkstattleiter von Ahn, dass heute viele Menschen schnell in Arbeit kommen, auf der anderen Seite ist er sich sicher: "Es kommt die Zeit, da wird die Werkstatt wieder gebraucht und dann sind wir nicht mehr da."