Chemikalie

Geschmacklos, doch gefährlich

Geesthacht (ger/pas). Sie ist farblos und geschmacklos - aber dennoch gefährlich. Die Chemikalie Bisphenol A wirkt ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen. "Bisphenol A kann Einfluss auf die Fruchtbarkeit oder auf die Entwicklung des Kindes im Mutterleib haben. Hier kann es zum Beispiel zu Missbildungen kommen", warnt Ina Walenda, Landesgeschäftsführerin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Schleswig-Holstein.

Bekannt ist, dass der Stoff in CDs, Kassenzetteln oder Thermopapier steckt - doch nun warnen Experten, dass Bisphenol A auch deutlich stärker als bisher erwartet im Trinkwasser der Haushalte vorkommen kann. Denn die Substanz ist auch in einem Harz enthalten, das zur Auskleidung maroder Rohre verwendet wird. So sind nach Rohrinnensanierungen in etlichen Häusern in Deutschland erhöhte Bisphenol A-Werte festgestellt worden.

2011 war die Produktion und der Verkauf von Babyflaschen, in deren Kunststoff die Chemikalie Bispehnol A nachgewiesen wurde, verboten worden, weil die Wirkung des Stoffes auf Säuglinge und Kleinkinder ungeklärt war. Mit diesem Hintergrund lässt die Nachricht von Bisphenol A in Wasserleitungen BUND und Verbraucherschutz aufschrecken. Es sei "notwendig, Menschen vor der Belastung mit Bisphenol A zu schützen, so lange eine gesundheitsschädliche Wirkung nicht auszuschließen ist", so Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Rohre müssten, wenn sie mit den bisphenolhaltigen Harzen ausgekleidet seien, ausgetauscht werden, mahnt Ina Walenda vom BUND Schleswig-Holstein. Wie häufig tatsächlich erhöhte Bisphenol A Werte auftreten, ist nicht bekannt. "Einfach weil das Wasser direkt am Hahn der Verbraucher nicht systematisch überprüft wird", sagt Jurek Vengels, Chemie-Experte des BUND. Dennoch haben bundesweit erste Wasserversorger das Sanierungsverfahren mit dem Harz, das Bisphenol A enthält, verboten.

Auch die Stadtwerke Geesthacht kennen das Problem, geben aber Entwarnung.

"Unser Rohrleitungssystem besteht fast ausschließlich aus Faserzementrohren und Polyethylenrohren, die als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden. Daher können wir ausschließen, dass durch unsere Wasserförderung Bisphenol A in gesundheits-

gefährdenden Mengen zum Kunden gelangt", sagt Olaf Schacht von den Stadtwerken.

Auch bei Geesthachts größtem Vermieter, der Deutschen Annington mit mehr als 2000 Wohnungen in der Stadt, beruhigt man.

"Wir beobachten das Problem sehr genau", sagt Annington Sprecherin Katja Weisker. "Da in unseren Häusern aber fast nur Kupferrohre verbaut wurden, sind wir davon nicht betroffen."