Müllabfuhr

Knochenarbeit bei Eiskälte

Geesthacht. Morgens ist es am schlimmsten. Wenn Sascha Conte und Matthias Wirtz um 6 Uhr zu ihrer Tour aufbrechen, dann sind die Minusgrade kaum auszuhalten. "Aber wenn man sich einmal warmgelaufen hat, dann geht es", sagt Matthias Wirtz.

Der 23-jährige Müllwerker ist an diesem Vormittag bei frostigen minus zehn Grad mit seinem Kollegen im 14,5-Tonner unterwegs, um in Grünhof Restmüll abzuholen.

Wirtz hat den kälteren Job der beiden. Während er hinter dem Müllauto hergeht, die Tonnen aus den Einfahrten an die Halterung am Ende des Wagens hängt und entleert, sitzt Sascha Conte im warmen Führerhäuschen, beobachtet Wirtz über einen kleinen Bildschirm und fährt das Auto an die nächste Position. Manchmal muss der 27-Jährige aber auch raus, um seinem Kollegen zu helfen. Dann spürt auch er die eisige Kälte. "So richtig gewöhnt man sich nie daran", sagt Conte. Nur vorbeugen können die beiden. "Wir bekommen dicke Winterstiefel, Handschuhe, Jacken und Hosen gestellt. Zusätzlich trage ich noch eine dicke Fliesjacke drunter", verrät Sascha Conte, betätigt den Hebel, der die Mülltonne entleert und klettert dann wieder ins Führerhaus. Matthias Wirtz steigt hinten aufs Trittbrett und erzählt, worauf er bei der Kälte schwört. "Eine lange Unterhose, zwei Paar Handschuhe und viel Bewegung", sagt er, springt vom Brett und schnappt sich eine am Rand stehende Tonne. Kürzere Strecken zwischen den Tonnen geht Wirtz im Winter zu Fuß, um sich warm zuhalten. Bei den 1527 Mülleimern, die Conte und Wirtz heute zu leeren haben, kommen da einige Kilometer zusammen.

Plötzlich stoppt Sascha Conte den Wagen. Vor ihm steht eine wild gestikulierende Autofahrerin. Wieder mal ein ungeduldiger Pkw-Fahrer? "Davon gibt's leider viel zu viele", seufzt Conte. Doch dann ist klar, es ist nur Contes Chefin Susanne Grabau, die in der Gegend wohnt und den beiden Jungs im Vorbeifahren zuwinkt. Grabau ist Chefin der Grabau-Entsorgungs GmbH, die in der Region den Müll für die Abfallwirtschaft Südholstein entsorgt.

Auch an der Haustür an der Ringstraße steht eine winkende Dame. "Man kennt sich. Im Sommer versorgen uns viele mit kühlen Getränken, im Winter bieten sie uns auch mal Korn an", lacht Conte. Ein Angebot, dass er und sein Kollege dankend ablehnen müssen. Schließlich muss Sascha Conte das Müllauto teils auch rückwärts enge Berge hinauffahren, wie jetzt die Reaktorstraße. "Oben kann man nicht wenden, es geht nur so", erklärt er, während er konzentriert in den Rückspiegel schaut. Teils ist es echt gefährlich für die Müllwerker jetzt draußen zu arbeiten. "Letzte Woche ist ein Kollege ausgerutscht und musste ins Krankenhaus", so Conte. Und noch etwas ist im Winter anders. "Oft frieren Essensreste oder Flüssigkeiten in den Tonnen fest", sagt Conte, und rät, solche Abfälle zum Beispiel in Zeitungen zu verpacken.

Dann fährt er langsam den Forstweg hoch, wo das Zweierteam eine einzelne Tonne abholen muss. "Jetzt sind wir fast voll", sagt Conte. Elf Tonnen Müll fasst das Auto. Damit fahren Conte und Wirtz gleich zum Recyclinghof nach Lanken, danach folgt eine zweite Tour durch Geesthacht. "Gegen 16 Uhr sind wir fertig", sagt Wirtz, der sich auf dem Weg zum Förster im Führerhäuschen aufwärmt. Er mag seinen Job - trotz der Kälte. "Das liegt bei uns in der Familie. Mein Opa hat das auch gemacht", sagt er. Und Sascha Conte erinnert sich, dass es noch viel kälter geht. "Als ich vor drei Jahren angefangen habe, mussten wir mal bei minus 21 Grad los. Dagegen ist das heute gar nichts."