Kündigung

Beliebter Schmerzarzt muss gehen

Geesthacht. Sechs Jahre lang hat Dr. Hans-Bernd Sittig im Medizinischen Versorgungszentrum Geesthacht (MVZ) praktiziert. Ein Segen für alle Schmerzpatienten in der Region.

Denn der Facharzt für Anästhesie, spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin gehört zu den besten seines Fachs. Von der Zeitschrift "Focus" wurde er Mitte des Jahres 2011 zu den Topmedizinern Deutschlands gewählt. Zudem ist er rund um die Uhr für die Gäste des Auxilium-Hospizes da. Eigentlich Grund genug, um alles dafür zu tun, Dr. Sittig in Geesthacht zu halten. Doch am 30. Dezember erhielt der Arzt seine fristlose Kündigung.

"Meine Frau informierte mich gegen elf Uhr, dass die Kündigung zu uns nach Hause gebracht worden sei", sagt Dr. Sittig. Eine halbe Stunde später hätten bereits zwei Mitarbeiter von Dr. Detlef Kramer, der das MVZ betreibt, den Arzt aus der Praxis eskortiert. Das Wartezimmer war voller verdutzter Patienten. Bilder von der Familie, private Bücher, die ungeöffnete Post - nichts konnte Sittig mehr mitnehmen. Er bekam Hausverbot. "Das kam für mich vollkommen überraschend", sagt der Arzt. "Ich habe mich sehr wohlgefühlt und viel positives Feedback von Patienten bekommen."

In der Tat sind viele seiner Patienten verzweifelt. Angelika Rosenthal, Leiterin der Selbsthilfegruppe für chronische Schmerzen in Geesthacht und selbst Patientin von Dr. Sittig, ist empört: "So viele Patienten sind nun ohne Versorgung. Wir waren so froh, Dr. Sittig hier zu haben", sagt sie. Ähnlich geht es den Schwestern des Auxilium-Hospitzes. Wo vorher Dr. Sittig als geschäftsführender Arzt für alle Bewohner jederzeit zur Verfügung stand, sind nun verschiedene Palliativ- und Hausärzte zuständig.

Sittig hat seinen Anwalt eingeschaltet, um gegen die Kündigung vorzugehen. Ein Vorwurf an ihn lautet offenbar, dass er Patienten weiter betreut habe, wenn er krank oder im Urlaub war, auch in dieser Zeit Medikamente verschrieb, die ihnen niemand anders rezeptieren wollte. Ein vorgeschobener Grund, meint Sittig. Nach bisher nicht bestätigten Gerüchten, lautet ein weiterer Vorwurf, Dr. Sittig habe zu viele Patienten behandelt. Das habe sich nicht gerechnet. Weil die veraltete Bedarfsplanung Schmerztherapeuten nicht extra berücksichtigt, gibt es in vielen Regionen zu wenige Schmerzärzte und die Praxen sind überlaufen. Das bestätigte die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein bereits im vergangenen Jahr. Ein Grund, warum Dr. Sittig seit langem einen Kollegen in seine Praxis nehmen wollte.

Dr. Kramer, Betreiber des MVZ, wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Begründung: Es handele sich um ein laufendes Verfahren.