Incoatec

"Wir brauchen den Science-Park"

Geesthacht (knm). Ein grün gemustertes Hemd in 60er-Jahre-Optik, leicht verwuscheltes Haar und ein freundliches Lächeln - Walter Krestel macht einen fröhlichen, lockeren Eindruck.

Doch es gibt Momente, in denen der Ingenieur sehr ernst und konzentriert wird. Dann nämlich, wenn er Schutzhandschuhe anzieht und eine der wenige Zentimeter langen, silbergrau schimmernden Streben von seinem Tisch nimmt, in die Luft hält und betrachtet. Jetzt heißt es, ruhig bleiben, nichts fallen lassen. Denn, was so unscheinbar aussieht, ist mit Gehäuse an die 40 000 Euro wert. Das L-förmige Etwas, das da in Walter Krestels ruhigen Händen liegt, ist eine hoch empfindliche Röntgenoptik.

Am 31. Januar vor genau zehn Jahren gründeten Dr. Carsten Michaelsen und Dr. Jörg Wiesmann auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums (HZG) das Technologieunternehmen Incoatec. "Wir haben mit vier Leuten angefangen, heute sind wir 35 Mitarbeiter", sagt der studierte Physiker Wiesmann. Hauptgesellschafter ist die Firma Bruker AXS. "Bruker baute in den 60er-Jahren für die Forschung die ersten Kernspintomographen", erläutert Wiesmann.

Incoatec hat sich auf komplizierte Beschichtungen spezialisiert, stellt Optiken für Röntgengeräte her. Allerdings werden damit keine gebrochenen Knochen durchleuchtet, sondern zum Beispiel Proteine oder Pulver. "Mit Hilfe unserer Optiken kann die Anordnung von Atomen zueinander abgebildet werden." Die weiche, definierte Strahlung macht es möglich. Diese Technik sei zum Beispiel wichtig für Pharmazieunternehmen, die anhand der Daten Medikamente entwickeln oder gefälschte Arzneimittel entlarven können.

Das Besondere an den Incoatec-Optiken sei die Beschichtung, ein Gitter aus den Materialien Wolfram und Kohlenstoff, das auf den millionsten Millimeter genau aufgetragen wird, erklärt Wiesmann. Im ersten Arbeitsschritt wird die Form hergestellt und vermessen. Dann wird die Form geschliffen und schließlich mit dem Verfahren des "Magnetronsputterns" beschichtet.

Eine Technik, die übrigens auch beim Herstellen von Solarzellen zum Einsatz kommt.

Incoatec arbeitet eng mit den Fachhochschulen Lübeck und Flensburg zusammen, hält seit Firmengründung ein Wachstum von 20 Prozent. Damit ist das junge Unternehmen ein attraktiver Arbeitgeber, spürt allerdings genau wie die Branchenriesen den Fachkräftemangel: "Wenn ein Unternehmen wie Airbus aggressiv um Ingenieure wirbt, merken wir das", sagt Wiesmann, der aber immer für kreative Ideen offen ist. So hat er zum Beispiel auch schon mal einen Augenoptiker eingestellt.

Incoatec will weiter wachsen.

Bereits jetzt belegen die verschiedenen Abteilungen der Firma im Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum (GITZ) auf dem Gelände des HZG eine Fläche von 1500 Quadratmetern. "Wir brauchen spätestens in zwei Jahren einen Neubau", sagt Wiesmann und appelliert deshalb an die Stadt: "Der Science-Park ist nötig." Mit ihm könnten die Firmen, die sich am Forschungszentrum entwickelt haben, am Standort bleiben. "Wenn wir hier nicht genug Platz kriegen, kann ich mir auch vorstellen, ins Gewerbegebiet an der Mercatorstraße zu ziehen", sagt Wiesmann.

Die dritte Alternative wäre wegzuziehen. Der Unternehmer hofft aber inständig, hier bleiben zu können.