"Rund um St. Salvatoris"

60 000 Euro für Treppe bewilligt

Geesthacht. Mit einem raffinierten Schachzug hat die Verwaltung die Politiker überzeugt, den Weg für den Bau der umstrittenen Treppe an der St.-Salvatoris-Kirche freizumachen: Die Treppenanlage soll künftig - obwohl sie auf kirchlichem Grund gebaut werden soll - als öffentlicher Weg gelten.

Damit kann die Stadt aus dem Topf der Stadtsanierung einen Zuschuss kassieren. Grund genug für die Politiker, 60 000 Euro aus dem Haushalt freizugeben. Geld, mit dem im Zuge der Sanierung an der Elbstraße begleitende Maßnahmen auf dem Kirchengrundstück umgesetzt werden sollen. Dazu gehört etwa ein Sichtschutz in den Pastoratsgarten, an dem man über die Treppe lang kommt.

"Wir wussten vorher, dass die Maßnahme der Umfeldgestaltung auf dem Kirchengrundstück nicht förderfähig ist", sagt CDU-Fraktionschef Karsten Steffen. Damit weist er die Kritik der Sanierungsgegner der Initiative "Geesthacht 21" zurück. Steffen: "Die Treppe und die Umfeldgestaltung auf dem Kirchhof werden der Straße gut tun." Sorgen, bei den Bauarbeiten auf Gebeine längst verstorbener Geesthachter zu stoßen, hat er nicht. "Der Friedhof dort ist seit ein paar 100 Jahren nicht mehr in Betrieb", so Steffen.

Für die "Geesthacht 21"-Initiative ist die Freigabe des Geldes ein herber Rückschlag. Die Sanierungsgegner fürchten um den Verlust des besonderen Charmes, den Geesthachts älteste Straße ausstrahlt. Sie hatten sich ans Denkmalschutzamt und an Innenminister Klaus Schlie (CDU) gewandt, dessen Ministerium die Mittel bewilligt. Vergeblich.

"Es ist traurig, mit welcher Gleichgültigkeit man hier in das Ensemble entlang der Elbstraße eingreifen will", klagt Professor Werner Büttner von "Geesthacht 21". "Dazu kommt, dass die Politik mal eben die 60 000 Euro aus der Stadtkasse freigibt, aber im selben Atemzug Kleinstbeträge bei sozial und ehrenamtlich tätigen Einrichtungen streicht", sagt Büttner. "Unsereins versteht das nicht."

In Kiel hatte man die Förderung der Treppe bisher noch als nicht möglich bezeichnet - eben weil sie auf privatem Grund stehe. Nach Mitteilung von Bauamtsleiter Peter Junge liegt eine mündliche Zusage der Kirche vor, das Gelände der Öffentlichkeit zu widmen. Junge: "Das war dem Innenministerium nicht bekannt." Im Frühjahr soll die Vereinbarung schriftlich fixiert werden. Damit wird das eher trostlose Gelände rund um die malerischen Fachwerkkirche auf Kosten der Stadt verschönert. Gleichzeitig gibt die Kirche Pflichten wie den Winterdienst an die Stadt weiter.

Bevor an der Elbstraße im kommenden Jahr tatsächlich gebaut wird, wollen zumindest die Grünen die konkreten Pläne noch einmal sehen. Um böse Überraschungen wie bei der Sanierung des südlichen Abschnitts der Bergedorfer Straße zu vermeiden. "Was da an Materialmix eingebaut wurde, das hätte sogar einem blinden Straßenbauer auffallen müssen. Das geht doch gar nicht", sagt Gerhard Boll (Grüne). Die Grünen standen der Initiative "Geesthacht 21" eine Zeit lang zur Seite, den Bau der Treppe befürwortet die Fraktion allerdings: "Wenn das wilde Grün da an der Findlingsmauer weg ist, wirkt es sicher viel schöner", so Boll. Den Anwohnern hätte der Gehölzschnitt gereicht.

Die Treppe ist für die Gesamtsanierung nur ein kleiner Mosaikstein. Außerdem soll die Straße aufgerissen werden. Eine Kanalisation, eine neue Straßenführung und die Pflasterung des Parkplatzes sowie der Wege sind weitere Bausteine. Maßnahmen, die die Anwohner finanziell mittragen müssen.

Verärgert zeigen sich die Gegner über Äußerungen von Torsten Wilms, dem Vorsitzenden der Wirtschaftlichen Vereinigung. Der hatte gesagt, sie würden die Stadt mit ihren Protestschildern verschandeln. Dabei waren es auch Geschäftsleute, die sich an der Bergedorfer Straße über die Sanierung beklagten. Übrigens: Während an der Elbstraße gegen den Protest von Anwohnern saniert werden soll, sind andere, vor etlichen Jahren beschlossene Projekte zur Sanierung "Rund um St. Salvatoris" offen. Die Bahnstraße und das Bahnhofsumfeld sollten etwa verschönert und zur Elbe hin erschlossen werden. Bisher ist nichts passiert.