Sanierungsruine

Neuer Ärger um das "Gelenk"

Geesthacht. Das Haus am Geesthachter Stadtgelenk steht immer wieder im Mittelpunkt kontroverser Diskussionen. Erst sanierte die Stadt das Gebäude für 200 000 Euro - dennoch steht es seit Jahren leer.

Nun bahnt sich weiterer Unmut an, diesmal im benachbarten Hauseingang Bergedorfer Straße 14: Hier setzt die Immobilienabteilung der Stadt, der das gesamte Ensemble gehört, nun offenbar Ilse Siebert, die letzte Bewohnerin, unter Druck. Ziel soll ein Abriss ihres Hauses sein, das allerdings baulich mit der aufwendig sanierten Nummer 12 verbunden ist. Ob dieses dann noch zu retten wäre, ist fraglich - schließlich handelt es sich um eine alte Doppelhauskonstruktion.

Aus Gesprächsprotokollen, die von einer Mitarbeiterin der Stadt angefertigt wurden, geht hervor, dass versucht wurde, die Seniorin von einem Auszug zu überzeugen. "Das muss ja nicht zu ihrem Nachteil sein", sagt Peter Wolke, der Leiter des Fachbereichs Immobilien der Stadt. Allerdings: Ilse Siebert, der das Haus früher gehört hatte, hat sich 1984 im Zuge des Verkaufs an einen privaten Besitzer ein lebenslanges Wohnrecht gesichert. Als die Stadt die Immobilie gekauft hat, um das "Gelenk" als Verbindung von der Innenstadt zur Elbe zu entwickeln, musste sie diese Pflicht, die im Grundbuch steht, übernehmen. "Das steht auch nicht zur Diskussion, es geht nur mit gutem Willen", sagt Wolke.

Doch mit gutem Willen ist Ilse Siebert nicht zum Auszug zu bewegen. Zu sehr hängt sie an ihrem Heim. "Ich gehe hier nicht raus", sagt die Dame. "Die bei der Stadt denken wohl, sie haben es mit einer tüddeligen alten Frau zu tun. Aber nicht mit mir", macht sie deutlich. "Die Verwaltungsmitarbeiterin und ein Vertreter eines Investors haben mich extrem geknetet. Die wurden unhöflich, weil ich nicht ausziehen möchte", berichtet Ilse Siebert von den Besuchen des Duos in ihre Wohnung. "Wir wollen die Frau nicht rausschmeißen", versucht Wolke zu beschwichtigen.

In ihrer Not hat sich Ilse Siebert Rat und Beistand bei den Sanierungsgegnern von www.Geesthacht21.de geholt. "Eine Mitarbeiterin der Stadt kommt zur Mieterin, bringt einen Vertreter des Investors mit und macht mit dem zusammen Druck auf die hilflose Bewohnerin? Das kann ja wohl nicht angehen", meint Bernd Inter von Geesthacht 21. "Mir drängt sich eine Parallele zum Umgang mit einem Hausbesitzer an der Elbstraße auf. Da hatte die Stadt auch von einem angeblichen Verkaufswillen des Besitzers gehört und gleich einen Makler beauftragt, die Stadt wohlgemerkt, die damit gar nichts zu tun hatte", sagt Inter. Der Verkauf von Haus und Grund stehe gar nicht zur Diskussion, so Inter. "Man könnte meinen, wir wären in einer Bananenrepublik", sagt er.

Die Sanierungsgegner wollen die Entwicklung des Gelenks kritisch begleiten. "Ich habe die Befürchtung, dass die Stadt sich hier der Sanierungs-Ruine Bergedorfer Straße 12 entledigen will", erklärt Werner Büttner. "Ich bin überzeugt, dass die Nummer 12 bei einem Abriss der Nummer 14 nicht alleine standfähig bleibt", sagt er. Die Nummer 14 hatte die Stadt für 170 000 Euro gekauft, die Nummer 12 für 150 000 Euro. Das Gebäude wurde dann noch für 200 000 Euro saniert. Insgesamt mehr als eine halbe Million Euro. Büttner: "Da wird es spannend, wenn sich ein Investor findet, ob die Stadt sich die gute halbe Million bezahlen lässt, oder ob das ein Geschenk wird. Leisten können wir uns das jedenfalls nicht."

"Was da auf dem Gelände genau passiert, steht noch nicht fest", sagt hingegen Peter Wolke. Das hänge von Plänen des Investors ab. Mit zwei Kandidaten würden gerade Gespräche laufen, so der Fachbereichsleiter. Ursprünglich sollte längst mit dem Bau von 35 betreuten Wohnungen begonnen worden sein, auch die Arbeiterwohlfahrt wollte ihre Zentrale ins Gelenk verlegen. "Wenn möglich, wollen wir das Haus Nummer 12 halten", sagt Wolke. Zuversichtlich klingt das nicht.