Beratung

Stalking ist immer öfter ein Thema

Geesthacht. Seit 2009 bietet der Verein "Hilfe für Frauen in Not", der die Beratungsstelle in Schwarzenbek betreibt, Sprechstunden in Geesthacht an. Ein Angebot, das sich herumgesprochen hat. "Wir erreichen hier einen Kreis von Frauen, die sonst nicht zu uns kämen", sagt Sabine Wöhl, die 14-tägig immer donnerstags ins Rathaus kommt.

Ihre Sprechstunden waren in den vergangenen Wochen so voll, dass sie erstmals auch in den Sommerferien stattfinden. Bleibt die Nachfrage so groß, wird über eine Erweiterung des Angebotes nachgedacht.

"Der Großteil der Frauen, die bei uns Rat suchen, sind von häuslicher Gewalt betroffen", sagt Sabine Wöhl. In der Beratung geht es auch immer öfter um Stalking. "Dabei gilt: Wehret den Anfängen!", so die Sozialpädagogin. Frauen, die sich von ihren Partnern trennen wollen, rät sie, in dieser emotional aufgeladenen Situation klare Signale zu setzen. "Nicht ständig neue Treffen vereinbaren und deutlich machen, dass man keine Anrufe und SMS mehr wünscht."

Die meisten Stalker seien Männer und sähen ihr Opfer meist als Eigentum an. Sabine Wöhl: "Sie stehen plötzlich vor der Tür, vor der Schule der Kinder oder vor dem Arbeitsplatz der Frau, schicken seltsame Geschenke wie eine Puppe mit abgerissenem Arm, bestellen Pakete auf ihren Namen." Eine Grauzone, in der es schwer fällt, zu beweisen, dass man verfolgt wird. Und schon psychische Gewalt, wie Sabine Wöhl betont: "Es ist ein subtiler Terror, der bis zu Drohungen reicht."

Bleibt der Stalker hartnäckig, kann eine gerichtliche Anordnung erreicht werden, die ihn in die Schranken verweist. Doch dafür werden Beweise gebraucht. Sabine Wöhl: "Wichtig ist es, unverwünschte SMS abzuspeichern, sich Zeugen, beispielsweise bei den Nachbarn, zu holen, wenn wieder ein von ihm bestelltes Paket kommt."

Wird der Stalker nicht gestoppt, macht er weiter - vielleicht auch mit körperlichen Angriffen. Wie im Fall der Myriam J., die im Juni 2010 von ihrem Freund mit 25 Messerstichen attackiert wurde. Sie wurde auch schon Monate vor dieser Tat immer wieder von ihm geschlagen. "Jede vierte Frau in Deutschland im Alter zwischen 16 und 65 Jahren ist von häuslicher Gewalt betroffen", zitiert Sabine Wöhl eine repräsentative Studie, für die 2004 10 000 Frauen befragt wurden. Anders als bei einem Streit zwischen gleichberechtigten Partnern, in dem auch die Frauen handgreiflich werden können, werde hier Macht und Kontrolle ausgeübt. "Und die Täter sind in 90 Prozent der Fälle Männer", so Wöhl.

Für den Herbst planen sie und ihre Kolleginnen eine Veranstaltung zum Thema Vergewaltigung. Jede siebte Frau in Deutschland hat sie erlebt, die Hälfte von ihnen kannte den Täter.

Die nächsten Sprechstunden sind am 28. Juli und 11. August, Termine dafür unter Telefon (0 41 51) 8 14 06.