Elbstraße

Proteste verhallen wirkungslos

Geesthacht. Aller Widerstand hat nichts genützt: Die Elbstraße wird saniert, das hat der Bauausschuss nach langem Hin und Her am Montagabend beschlossen. Damit droht Geesthachts letzter Straße mit historischem Charme das Aus.

Statt einer Regenmulde am Fahrbahnrand sollen dort Gullys eingebaut werden. Statt einer ebenen Straßenfläche ist eine Aufpflasterung geplant. Und die Kirchenmauer soll durch eine Treppenanlage aufgebrochen werden. Aus der Geschichte des alten Stadtkerns entsprungene großzügige Fahrbahnbereiche werden verengt.

"Es ist ein Skandal", bilanziert Anwohner Werner Büttner. Er hatte sich mit den Nachbarn in der "Interessengemeinschaft Elbstraße" zusammengeschlossen, um die Sanierung zu verhindern. Doch der erwartete Zuschuss aus dem Städtebauförderprogramm machte Geesthachts Politikern von SPD, CDU, FDP und Linken die Sache einfach. Sie stimmten für die Sanierung, zu verlockend erscheinen ihnen die Zuschüsse. Die Stadt kommt so für eigenes "kleines Geld" an die Straßensanierung, weil Land und Bund kräftig etwas dazugeben. Und vor allem müssen die Anwohner zahlen - teilweise mehr als 11 000 Euro. Nur die Grünen stimmten gegen die Sanierung.

"Ich bin irritiert, dass die Ausschussmitglieder nicht dadurch irritiert sind, was ihnen die Fachleute hier vortragen", sagte Büttner. Denn während Tonio Trüper seinen Plan verteidigte, sprachen sich unabhängige und in der Fachwelt anerkannte Experten für Städtebau, die von der Interessengemeinschaft eingeschaltet wurden, dagegen aus. Den Kirchenstieg bezeichnete Trüper als "argen Fremdkörper", die Elbstraße sei "Flickwerk" und überhaupt werte man das ganze Areal deutlich auf.

Ali Demirhan (Grüne) hielt der SPD vor, deren 16-Punkte-Plan in Sachen Straßensanierung sei nun so gut wie gar nicht berücksichtigt. Dabei hatte nach der Kommunalwahl 2008 eine Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken die schon damals heftig umstrittene Planung gestoppt. Doch jetzt hält Jürgen Leonhardt (SPD) die Planung für "durchdacht und ausgereift".

Doch die Anwohner fürchten um den schönen Charme der Gegend und die Qualität der sanierten Straßenoberfläche. "Da sind doch Absackungen des Pflasters programmiert, wenn man mehr als drei Meter tief gräbt, um einen Schmutzwasserkanal einzubauen, an den sich niemand anschließt", sagt Anwohner Bernd Inter. Er versuchte, Bürgermeister Volker Manow auf einen gedeckelten Höchstwert der Anliegerbeiträge festzunageln. Mit Erfolg: Mehr als 7,50 Euro je Quadratmeter ihrer Grundstücke sollen es als Anwohneranteil nicht werden. "Es geht nicht, dass wir hinterher kommen und sagen, dass es für die Anwohner teurer wird", versicherte Manow in der Sitzung.

Nach der Zustimmung können die Architekten jetzt an die Detailplanung gehen. Erst danach werden auch die Kosten konkreter sein. Gebaut werden soll aber zeitnah - möglichst noch dieses Jahr.