Protest

Elbstraße: Entscheidung vertagt

Geesthacht. "Der Ausschuss für Bau und Verkehr stimmt der Planung zur Umfeldgestaltung der Kirche St. Salvatoris einschließlich der Elbstraße und des Kirchenstieges zu." Es klang so schön, was sich die Stadtverwaltung und externen Planer ausgedacht hatten.

Doch anstatt einen Beschluss zu fassen, gönnen sich die Politiker eine Ehrenrunde. Denn die Anwohner leisteten erheblichen Widerstand und erschienen zu Dutzenden im jüngsten Ausschuss für Bau und Verkehr. Frühestens in vier Wochen soll nun eine Entscheidung fallen.

Die Umgestaltung der Elbstraße wird zur unendlichen Geschichte. Bereits 2003 hatte es erste Pläne gegeben. Seitdem war das Thema zwölf Mal im Fachausschuss. Ursprünglich sollte erst am 2. Mai beraten werden. Doch weil Bürgermeister Volker Manow da erst spät aus Geesthachts Partnerstadt Kuldiga zurückkommt, hatte man die Beratung vorgezogen. Manow hatte die Elbstraße wegen der Proteste zur Chefsache gemacht - wie sein Vorgänger Ingo Fokken. "2008 hatten wir uns mit Herrn Fokken verständigt, dass man uns durchgängig informiert, damit wir in die Planung eingebunden sind. Was man uns nun zeigt, ist eine komplette Planung. Das so zu machen, ist eine glatte Sechs", sagte Anwohner Bernd Inter als Vertreter der Interessengemeinschaft Elbstraße. "Wir Anwohner haben zur Umfeldgestaltung eigentlich nur zwei Wünsche. Dass der Pastor vor der Kirche den Misthaufen entfernt und man das Pflaster flickt", sagte Anwohner Karl Kröhnke.

Doch der Entwurf der Planer des Lübecker Büros TGP geht viel weiter. Tonio Trüper stellte die Planung für die Sanierung der Straße und die Umgestaltung des Kirchenareals vor. Die historische Elbstraße soll komplett aufgerissen werden, in Höhe Kirchenstieg und Hafenstraße sollen Rampen angelegt werden, um das künftig auf Gehwegniveau gebrachte Pflaster der Fahrbahn anbinden zu können. Vom ehemaligen "Hotel Stadt Hamburg" wird die Elbstraße eine Sackgasse, vom Hafen der Verkehr in die Hafenstraße umgeleitet. Um die Kirche herum möchte Trüper einen Baumkranz aus 15 Meter hoch wachsenden Linden anlegen - und vorhandene Bäume fällen.

"Die Planung ist völlig überfrachtet, wir wollen eine behutsame Instandsetzung der Straße", sagte Inter. Kröhnke zitierte gar aus Manows Wahlkampfflyer, in dem er "neue Akzente in der Gesprächskultur" ankündigt hatte. "Seitdem hören wir gar nichts mehr aus dem Rathaus", ärgerte sich Kröhnke. "Wir sind bodenlos enttäuscht", fasste er zusammen.

"Die Umfeldgestaltung ist ein städtebauliches Ziel. Die Kirche ist eine Perle der Stadt, die wollen wir wieder freistellen", warb Peter Junge, der Leiter des Fachbereiches Bauen und Umwelt der Stadt, um Verständnis. Vergeblich. Da half auch der Einwand von Andreas Schröder, dem Leiter der Tiefbauabteilung, dass sich die Anwohner an eine neue Schmutzwasserleitung anschließen könnten, nichts. Auch bei den Politikern nicht. "Ich sehe mich nicht in der Lage, hier eine Entscheidung zu treffen", sagte Rüdiger Tonn (FDP). Thomas Markwart (CDU) kritisierte die Planung, weil der Kirchenstieg erst als abgängig, dann als einwandfrei und nun wieder als abgängig dargestellt werde.

Nach gut zweistündiger Beratung war klar: Die Elbstraßen-Planung dreht eine weitere Ehrenrunde. Die Anwohner, die bis zu 10 000 Euro Anliegerbeiträge für die Maßnahme zahlen sollen, wollen bis dahin mit Politikern sprechen, um sie von einer schlichteren Maßnahme zu überzeugen.