MPM

Große Quarztiegel sind ihre Stärke

Geesthacht. Vor fast genau zwei Jahren mussten die Mitarbeiter der Geesthachter Quarzschmelze, der Momentive Performance Materials (MPM) Quartz GmbH, um ihre Jobs bangen. Die Wirtschaftskrise hatte das fast 90 Jahre alte Traditionsunternehmen erfasst. 2006 war erst die Lampenrohrproduktion nach China verlagert worden.

Dann ging auch die Großrohrfertigung in die USA. 32 Mitarbeiter aus Geesthacht verloren ihre Jobs. Nach Protesten hatte der Mutterkonzern aber eine Standortgarantie gegeben.

Heute hat sich der Firmenstandort an der Borsigstraße im Gewerbegebiet Ost wieder stabilisiert. Die 95 Mitarbeiter erwirtschaften mit ihrer Tiegelproduktion einen Jahresumsatz von etwa 40 Millionen Euro und sind Spezialisten auf ihrem Gebiet. "Wir können inzwischen Tiegel von 12 bis zu 32 Zoll Durchmesser herstellen", sagt Frank Holstein, Werksleiter von MPM Geesthacht. Und er erklärt: "Innerhalb unseres Unternehmens sind wir weltweit die einzigen, die in der Lage sind, solche Großtiegel zu produzieren. Das ist unsere wichtigste Standortgarantie." Etwa 60 000 Quarztiegel werden pro Jahr produziert - und verlassen Geesthacht an Kunden wie Wacker Siltronic, das Halbleiterunternehmen MEMC oder Siltron.

Die Produktion ist im wahrsten Wortsinn eine heiße Angelegenheit. Viele tausend Grad ist der Quarz noch heiß, wenn er im Stahlbehälter abkühlt. "Da sollte man nicht reingucken", rät Friedrich Behrendt. "Das ist so hell wie eine kleine Sonne." Behrendt ist Prozessingenieur bei der MPM und hat täglich mit hohen Temperaturen und flüssigem Quarz zu tun, aus dem die Quarztiegel entstehen. Die Kunden von MPM, die die Behälter aus dem glasähnlichen Material kaufen, "schmelzen darin Silizium und stellen etwa Chips für die Halbleiterindustrie her", erklärt Werksleiter Holstein.

Seit 1990 ist Holstein in Geesthacht dabei. Nach wie vor fasziniert ihn das Material Quarz. "Man findet es überall, auch am Nordsee-Strand. Es ist spannend, wie vielseitig man Quarz verwenden kann", sagt er.

Das Anfangsprodukt, mit dem MPM arbeitet, ist Quarzsand, der überwiegend aus North Carolina in den USA importiert wird. Mit zwei Elektroden wird der Sand bei 3500 Grad geschmolzen. "Anschließend kühlt das Material in einem wassergekühlten Stahltopf ab", erklärt Holstein. Das Ganze geschieht bei etwa 100 Umdrehungen pro Minute. So bekommt der Quarz seine Tiegelform. Dann muss Maschinenführer Maik Blume ran. Er sägt, schleift und vermisst die Tiegel, untersucht sie sogar mit Ultraschall.

"Damit messe ich die Wandstärke", erklärt er. Die Reinheit des Quarzes ist eine der größten Herausforderungen für die MPM-Mitarbeiter. "Jede kleinste Verunreinigung wird vom Quarz aufgenommen und kann das Endprodukt unbrauchbar machen", sagt Holstein. "Wenn so was passiert, müssen wir die Tiegel verschrotten. Unsere Kunden können damit nicht produzieren." Nachdem die Tiegel fertig geschliffen sind, werden sie unter Hochdruck gereinigt und im Reinraum in riesige Kunststoffbeutel eingeschweißt. Nun erst verlassen die Tiegel Geesthacht - und sorgen dafür, dass Chips für die Halbleiterindustrie hergestellt werden können, dank derer etwa Laptops und Digitalkameras funktionieren.

© Bergedorfer Zeitung 2018 – Alle Rechte vorbehalten.