Borghorster Elbwiesen

Umstrittene Überflutung rückt näher

Geesthacht. Es scheint besiegelt: Die natürliche Überflutung der Borghorster Elbwiesen durch den geöffneten Damm am Unteren Schleusenkanal mit Elbwasser zwischen Geesthacht und Altengamme wird kommen.

Gestern unterrichteten Vertreter des Kieler Umweltministeriums besorgte Anwohner über die geplante Änderung der Naturschutzverordnung für den Bereich der Besenhorster Sandberge. Diese Änderung ist eine Voraussetzung für die Überschwemmung der Wiesen bei Hochwasser.

Wie berichtet, plant die Stadt Hamburg als ökologischen Ausgleich für die Umwelteingriffe im Zuge der Erweiterung des Airbus-Werkes in Finkenwerder die Vernässung der Borghorster Elbwiesen. Ziel der Maßnahme ist es, seltenen Tier- und Pflanzenarten eine neue Heimat zu geben. Die hatten sie mit der teilweisen Zuschüttung des Mühlenberger Loches in der Elbe verloren.

Doch die Folgen der sogenannten Tidebeeinflussung könnten gravierend sein. Anwohner und Unternehmer in der Nachbarschaft fürchten einen Anstieg des Grundwasserspiegels, der ihre Immobilien schädigen könnte. Firmen wie KRD Sicherheitstechnik sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

Deshalb wehren sich die Menschen aus Geesthacht, Escheburg und Altengamme seit Jahren gegen die Überflutung. Das sogenannte "Life-Projekt" hatten sie durch eine Verzögerungstaktik mit immer neuen Untersuchungen verhindert. Doch einen so massiven Termindruck wie bei der gescheiterten Maßnahme gibt es für die Neuauflage der Projektrealisierungsgesellschaft (ReGe) jetzt nicht mehr. Die ReGe hat Zeit - und Geld. Rund 20 Millionen Euro wird der Öko-Ausgleich kosten.

Der Hilferuf von Anwohnern an die Landesregierung in Kiel hatte kurzzeitig Hoffnung aufkeimen lassen. Der Petitionsausschuss des Landtags hatte sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Am Montagabend (19.30 Uhr, Gasthaus Schween am Kreisel Altengamme) sollen die Bürger über den Beschluss des Gremiums unterrichtet werden. Und dann werden wohl letzte Hoffnungen begraben: Denn der Petitionsausschuss "begrüßt ausdrücklich", dass sich mit den "dargestellten technischen und organisatorischen Maßnahmen eine Lösung im Sinne der Petenten" abzeichnet. Im Klartext: Wenn die ReGe wie versprochen ein Sperr- und Schöpfwerk an der Leitdammöffnung baut, sieht man keine Probleme.

Reinhard Schmidt-Moser aus dem Umweltministerium hatte für die Anwohner gestern im Ratssaal ebenfalls keine guten Nachrichten. Er stellte die Ergebnisse der Prüfungen von Einwänden aus dem Jahr 2008 gegen die Änderung der Naturschutzverordnung vor. "Die Menschen werden nicht zufrieden sein", ahnte Schmidt-Moser schon vorher. Denn mit der Änderung der Verordnung für die Sandberge kann auch das Planfeststellungsverfahren für die ReGe-Maßnahme beginnen.

Aller Widerstand von Anwohnern und Unternehmen gegen das Vorhaben scheint vergeblich gewesen zu sein. Zwar konnten Verbesserungen in der Umsetzung erzielt werden, doch verhindern lässt sich die Überschwemmung des 70 Hektar großen Areals wohl nicht mehr.

Nur bei gravierenden Erkenntnissen wäre damit im Planfeststellungsverfahren eine Chance vorhanden. Denn es läuft unter der Regie der Hansestadt Hamburg, die schließlich den Öko-Ausgleich benötigt.

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