Austernfischer

Einer hat's geschafft

Geesthacht (kl). Die Austernfischer sind dem Unternehmen "Intermed" treu geblieben: Auch in diesem Sommer nistete das Vogelpaar wieder auf dem Flachdach an der Spandauer Straße. Zwischen Kieseln legte es seine gesprenkelten Eier. Doch nur zwei Tage nach dem Schlüpfen wurden die flaumigen Küken von dicken Hagelkörnern erschlagen.

"Das war sehr tragisch, aber die Austernfischer haben noch einmal gebrütet", berichtet Dr. Friedhelm Ringe vom Naturschutzbund.

Weil es in diesem Jahr nicht so trocken war wie 2008, mussten die Nabu-Aktiven die Vögel nicht täglich mit Würmern versorgen - und bekamen zunächst gar nicht mit, dass eine zweite Brut heranwuchs. Friedhelm Ringe: "Das lag auch daran, dass die Jungen schon nach einer Woche vom Dach gefallen oder gehüpft waren und auf dem Boden herumliefen - im Industriegebiet natürlich extrem gefährlich."

Die Eltern päppelten ihre Küken weiter mit Futter, Mitarbeiter der umliegenden Firmen (Birkenstock, Ammeraal Beltech und Ute Orth) nahmen viel Anteil - und Rücksicht beim Parken. Trotzdem: Nur ein Küken kam durch.

"Es ist mittlerweile mit seinen Eltern zur Elbe geflogen", sagt Friedhelm Ringe. Er hat die Austernfischer-Familie unterhalb des Wehrs bei der Futtersuche beobachtet. Abends fliegen Eltern und Kind auf die Vogelinsel Hachedesand, die vom Naturschutzbund gepflegt wird. Ringe: "Dort haben sie ihren Schlafplatz - mit vielen anderen Vögeln." In etwa zwei Wochen, so schätzt er, werden die Austernfischer zur Nordseeküste fliegen, um sich dort in großen Gemeinschaften zu mausern.

Die Austernfischer kommen bereits seit sieben Jahren nach Geesthacht, um auf dem Dach von Intermed zu brüten. Auch im vergangenen Jahr überlebte nur ein Junges. Das ist fast normal: Von 100 Austerfischern werden nur zwei erwachsen, erklärt Friedhelm Ringe. Der Biologe freut sich über die Unterstützung der Firmen: "So ein Projekt verstärkt ja auch die Beziehung zur Natur."