Bergedorf

Nach 41 Jahren geht eine Ära zu Ende

Bürgerverein Lohbrügge: Fritz C. Hamester gibt Vorsitz ab

Die Entscheidung hat auch die Vorstandsmitglieder überrascht: Fritz C. Hamester gibt den Vorsitz des Bürgervereins Lohbrügge ab. Nach 41 Jahren geht damit eine Ära zu Ende. "Man muss auch wissen, wann Schluss ist", sagt der Vater von drei Kindern und siebenfache Opa, der am morgigen Sonntag im Kreise seiner großen Familie seinen 71. Geburtstag feiert.

Einfach sei ihm die Entscheidung nicht gefallen: Er habe etwa vier bis fünf Monate gebraucht, um Abstand zu gewinnen. Doch nun gibt er guten Gewissens den Stab an seinen Nachfolger weiter: Rainer Tiedemann steht in den Startlöchern und ist bereits in den Vorsitz gewählt. Doch so richtig gehen lässt er seinen Vorgänger nicht: "Den lassen wir so schnell nicht los", sagt der 47-Jährige. So wird Fritz C. Hamester auch weiterhin dem Vorstand treu bleiben. "Wir wären schön blöd, uns diesen Erfahrungsschatz nicht zu bewahren", sagt Tiedemann.

Sich für seine Heimat zu engagieren, lag Fritz C. Hamester immer am Herzen - denn er ist ein echter Bergedorfer Jung. Als er 1944 zur Welt kam, habe er sich erst Zeit gelassen - dann konnte es gar nicht schnell genug gehen: "Eine mit Stroh und Wolldecken ausgelegte Droschke hielt gerade vor dem Allgemeinen Krankenhaus am Gojenberg als ich meinen ersten Schrei tat", erzählt Hamester.

Nach ersten Kindheitsjahren in Neuengamme, zog die Familie an die Chrysanderstraße. Mit Ehefrau Bärbel und drei Kindern zog der kaufmännische Angestellte dann nach Lohbrügge.

Als er 1972 den Vorsitz von Mitbegründer Reinhold Schicketanz übernimmt, wartet gleich eines der größten Vereinsereignisse auf ihn: Rund 40 000 Lohbrügger feierten im Grünen Zentrum ein fröhliches Sommerfest. Leider musste es vier Jahre später eingestellt werden, Anwohner hatten sich wegen lauter Musik beschwert.

Zu den Höhepunkten des Jahres zählen heute das Eiersuchen am Ostermontag im Grünen Zentrum sowie der sternförmige Laternenumzug im Herbst mit Abschlussfeuerwerk, an dem mehrere Tausend Kinder und Erwachsene durch den Stadtteil ziehen, sogar Teilnehmer aus Reinbek oder Billstedt anreisen.

Rund 500 Mitglieder gehören dem Bürgerverein Lohbrügge derzeit an. 1978 waren es sogar 850 gewesen, er war damit der größte Bürgerverein Hamburgs. Ob Walking&Talking, Tischtennis, Yoga oder Plattsnackers - insgesamt 16 Neigungsgruppen stehen den Mitgliedern offen.

"Auch für Familien und jüngere Bewohner Lohbrügges wollen wir mehr Programm bieten", blickt Rainer Tiedemann in die Zukunft. Als Sprachrohr für die Bewohner des Stadtteils werde man sich weiterhin einsetzen: "Wir bleiben konstruktiv unbequem", sagt Tiedemann. Missstände wie das Fehlen eines Nahversorgers im Einkaufszentrum Rappoltweg oder eines akustischen Ampelsignals am Lohbrügger Markt werde man anprangern, aber gleichzeitig an Lösungsvorschlägen mitwirken.

Am Donnerstag, 19. März, beginnt um 20 Uhr die Hauptversammlung des Bürgervereins im Holstenhof (Lohbrügger Landstraße 38).