Bergedorf

Nachfolger für Evelyn Hamann

Michel-Nathan-Weg: Name für Gojenberg-Fußweg gefunden

Statt Evelyn Hamann wird nun Michel Nathan Bestandteil der Bergedorfer Straßennamen. Nach der Posse um Loriots TV-Partnerin (* 2007), die das Bezirksamt im Oktober erst als Namensgeberin für den malerischen Fußweg vorschlug, der beim ehemaligen Allgemeinen Krankenhaus (AK) den Gojenberg erklimmt, um dann alles wieder zurückzuziehen, folgt nun ein gar nicht prominenter Bergedorfer.

Michel Nathan, geboren 1812, war Manufakturwarenhändler jüdischen Glaubens. Zusammen mit seinem Bruder Heinrich gilt er als erster Fabrikbesitzer der Stadt. 1854 errichteten die beiden eine Glashütte am östlichen Ufer des Schleusengrabens. Sie stand etwa dort, wo heute der Sander Damm das Gewässer überquert. Das Projekt gilt als wichtiger Vorbote der Bergedorfer Industrialisierung, die erst ein bis zwei Jahrzehnte später mit den Stuhlrohrfabriken und dem Eisenwerk richtig in Fahrt kam.

Doch die Gebrüder Nathan haben nie Glas produziert. Ihre zehn Arbeiter waren noch dabei, die Öfen aufzuheizen, als in der Neujahrsnacht 1855 eine große Sturmflut alles zerstörte. Das Wasser drückte von der Elbe über die Dove-Elbe bis in den Schleusengraben und überschwemmte die junge Fabrik sowie ihre Arbeiterwohnungen. Die überschuldeten Gebrüder Nathan konnten sich einen Wiederaufbau nicht mehr leisten.

Dass jetzt der Fußweg zwischen Gojenbergsweg und Justus-Brinckmann-Straße samt noch zu schaffender Verbindung zu den benachbarten Neubauten nach Michel Nathan benannt wird, liegt am dortigen jüdischen Begräbnisplatz. Laut Staatsarchiv hat Nathan den Friedhof geschaffen, dessen Reste bis heute östlich des alten Krankenhauses zu finden sind.