Lohbrügge

HAW-Forscher entwickeln virtuelles Hospital

Rettungswesen: Computer simulieren Unfälle, Anschläge und Katastrophen

Es ist ein Projekt, das das Rettungswesen in Deutschland revolutionieren könnte: das "Virtuelle Hospital" von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Lohbrügge. Dort sind Forscher derzeit dabei, ein Computerprogramm zu entwickeln, das Studierenden ermöglichen soll, in simulierten Szenarien Einsatzerfahrung zu sammeln - ob mit Patienten im Krankenhaus oder Verletzten an einem Unfallort.

Initiiert wurde das Projekt von Prof. Dr.-Ing. Boris Tolg, Informatiker an der HAW. Vor etwa zwei Jahren hat er die Idee auf dem "IdeenPark" von Thyssen-Krupp in Essen entwickelt. Sofort war für ihn klar: "Das muss man in die Realität umsetzen." So begann Tolg in Kooperation mit diversen Partnern zunächst eine virtuelle Unfallchirurgie zu entwickeln, in der man Patienten untersuchen und sie medizinisch versorgen kann. Jetzt soll das Projekt um ein Modul erweitert werden.

Für das "Rescue Engineering" (Rettungsingenieurwesen) wird es in einer Kooperation von HAW, der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und dem Universitätsklinikum Essen entwickelt und demnächst von der Hamburger Claussen-Simon-Stiftung mit einem noch unbekannten Betrag gefördert. Mit dem Modul sollen sich Studierende speziell auf Einsätze an Unfallorten vorbereiten können, lernen, wie sie die Versorgung vieler Verletzter organisieren. Tolg: "Ob Autounfälle, Flugzeugabstürze, Schiffsunglücke oder Terroranschläge: Jedes Szenarium ist möglich."

Die Vorteile derartiger Simulationen liegen für den 37-Jährigen auf der Hand: "Katastrophen mit vielen Verletzten lassen sich in der Realität nur extrem aufwendig nachahmen." Es brauche einen Unfallort, Schauspieler sowie ausgebildete Rettungskräfte und Notärzte, die die Übung überwachten. Das sei mit hohen Kosten verbunden. Mit der Software hingegen können Studierende derartige Einsätze zu jeder Tages-und-Nachtzeit durchspielen, betont Tolg.

Noch steckt das Projekt allerdings in der Anfangsphase. Konkrete Computersimulationen gibt es noch nicht. Denn 2015 will Tolg zunächst die Einsatzszenarien in der Realität umsetzen, "um die Nutzbarkeit der Simulation bewerten zu können". Dazu laden die Organisatoren Studierende der HAW ein, die als Schauspieler an den Einsätzen teilnehmen sollen. Parallel dazu soll dann die Umsetzung in der virtuellen Welt beginnen. "Ich vermute, dass wir 2016 in die Betaphase starten können", kündigt Tolg an.

Profitieren von dem Programm sollen später nicht nur Studierende der HAW. Zurzeit gibt es dort etwa 40 angehende Rettungsingenieure sowie 40 Bachelor-Studenten im Studiengang Hazard Control (Gefahrenabwehr). Tolg: "Studierende aus ganz Deutschland könnten die Software nutzen."