Norderstedt

Der Blick tief ins Universum - bis zurück zum Urknall

Sternwarte: Neues Radioteleskop in Norderstedt öffnet Bergedorfs Astrophysikern neue Dimensionen

Für die Sternwarte geht gerade ein wissenschaftlicher Traum in Erfüllung - auf einem Acker bei Norderstedt: "Dort bekommen wir Einblick in den Ursprung und alle Facetten unseres Universums", schwärmt der Bergedorfer Astrophysiker Dr. Dieter Engels.

Tatsächlich ist die verhältnismäßig geringe "Belastung" der Wiese mit künstlichen Wellen von Radio, TV oder Mobilfunk entscheidend, um von hier ins All zu horchen. Nichts anderes tun die 192 Antennen, je 1,70 Meter klein, die hier gerade auf einer Fläche von 100 mal 200 Metern aufgestellt und vernetzt werden.

Betrieben von den Unis Hamburg und Bielefeldt ist die Lofar-Station DE 609 für die Forscher Türöffner zum Netz gleicher Stationen in Europa. Sie sind so verteilt, dass sie den Kontinent zum riesigen Hörrohr ins Weltall machen, also alle noch so schwachen Radiowellen auffangen und zu einem Superrechner in Groningen leiten. Norderstedt schließt dabei einen Bereich, auf dem das Radioteleskop bisher "blind" war.

Sobald die Station Anfang 2015 in Betrieb geht, lässt sie an der Sternwarte die Forschungsgruppe um Prof. Marcus Brüggen in die Welt der Radioastronomie eintauchen: Die "sieht" weit mehr als nur das Licht des Alls, indem sie alle Daten registriert, die per Radiowellen zu uns kommen. "Natürlich hoffen wir, Dinge zu entdecken, von denen wir noch keine Ahnung haben - der Traum jedes Forschers", sagt Prof. Brüggen. Es könnten sogar Wellen sein, die vom Urknall vor knapp 14 Milliarden Jahren stammen.