Bergedorf

Kinderrestaurants auf Kosten von Jugendclubs?

Jugendhilfe-Ausschuss: Katrin Rabe übernimmt Vorsitz - Streit um die Finanzierung offener Angebote

Stefan Thomsen vom Haus Warwisch bleibt Vize im Bergedorfer Jugendhilfe-Ausschuss (JHA), der sich jetzt zur konstituierenden Sitzung traf. Die Nachfolge des Vorsitzenden Paul Kleszcz übernimmt nun Genossin Katrin Rabe, die - bei drei Enthaltungen der CDU - fünf Jahre lang das Gremium führen wird.

Katrin Rabe leitet seit zehn Jahren die Reinbeker Klosterbergen-Grundschule. Die 54-Jährige, die gemeinsam mit Hamburgs Schulsenator Ties Rabe drei erwachsene Kinder hat, will ihr Augenmerk auf benachteiligte Kinder im Bezirk legen, insbesondere die Entwicklung in Bergedorf-West und Neuallermöhe verfolgen: "Es wird nicht mehr Geld auftauchen, aber wir müssen darauf achten, dass die eingesetzten Mittel wirklich bei den Kindern ankommen", sagt die Politikerin, die sowohl in der Bezirksversammlung als auch im JHA ihre zweite Legislaturperiode antritt.

Ums Geld ging es gleich in der ersten Diskussion, da das Bezirksamt um 12 000 Euro zur Unterstützung der beiden Kinderrestaurants bittet. Jedoch soll die Speisung am Friedrich-Frank-Bogen nur noch in den Herbstferien fortgesetzt werden, schilderte Sozialraummanager Sven Dahlgaard: "Inzwischen werden die meisten Kinder in der Grundschule versorgt. Vielleicht können wir das Kinderrestaurant nächstes Jahr schließen und sparen bis dahin 2000 bis 3000 Euro."

Anders sieht die Lage im Spielhaus am Kurt-Adams-Platz aus, wo täglich bis zu 35 Kinder verköstigt werden - ein "Erfolgsmodell", laut Dahlgaard. Während die CDU das außerschulische Angebot begrüßt, zeigen sich andere Politiker skeptisch: "Allein Angebot und Nachfrage sind kein Maßstab für die Mittelzuweisung. Bedürftige Kinder sollen im Ganztagskonzept aufgefangen werden - egal, ob es da lecker schmeckt oder nicht", meint Heribert Grönker (Grüne), bestärkt durch Evin Kandemir (Mädchentreff Lohbrügge): "Wir können nicht die Defizite des Ganztags ausgleichen."

Bärbel Granzow vom Kinderrestaurant begründet den Bedarf indes so: "Es kommen Grundschulkinder und Stadtteilschüler zu uns, die nicht den ganzen Tag in der Schule bleiben wollen. Sie mögen unsere familiäre Atmosphäre, hier gibt es keine Massenabfertigung. Und die Eltern, manche haben fünf Kinder, müssen oft nachmittags nicht arbeiten und holen sie gegen 15 Uhr ab."

Aber weniger der Elternwunsch als die Finanzierung des Kinderrestaurants steht in der Kritik, etwa bei Cornelia Frieß (Die Linke): "Solche Bedarfe müssen nicht aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit gedeckt werden, die ohnehin weniger Geld hat."

In der Tat fehlen allein im kinderreichen Stadtteil Neuallermöhe in fünf Einrichtungen 17 350 Euro für dieses Jahr - schließlich wurden wiederholt keine Personalverstärkungsmittel gezahlt, werden also in zwei Jugendclubs, Spielhaus, Mädchentreff und Kifaz diverse Angebote gekappt. "Seit vier Jahren gibt es keine offizielle Erhöhung. Immer mit dem Hinweis auf den Ausbau von Schulen und Kitas", kritisiert auch Stefan Thomsen.

Einen offenen Brief an die Bürgerschaft und Bergedorfs Bezirksversammlung bereitet nun der Stadtteilbeirat Neuallermöhe auf seiner Sitzung vor. Sie beginnt nächsten Montag, 1. September, um 18 Uhr im KulturA an der (Otto-Grot-Straße 90. Tenor: "Wir kommen an die Grenzen unserer finanziellen Handlungsspielräume und sind in unserem Bestand bedroht."

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