Bergedorf

Critical Mass: Fahrrad-Demo ohne Plakate und Parolen

Verkehr: Polizei sorgt für geordneten Ablauf der zuvor nicht angemeldeten Protesttour

20 Radfahrer haben am Freitagabend mit einer Rundfahrt durch Bergedorf und Lohbrügge eine mehr auf Fahrradfahrer ausgerichtete Verkehrspolitik gefordert: "Wir wünschen uns bessere Radwege und allgemein mehr Rücksicht auf Radler", sagten Teilnehmer am Rande der Veranstaltung, die die Polizei mit mehreren Streifenwagen und einem Motorrad abgesicherte. Der politische Charakter der Fahrradtour war für Beobachter nicht zu erkennen, da die Aktivisten weder Parolen skandieren noch Transparente mitführten.

Eigentlich war die Protestaktion auch anders geplant gewesen. Wie Vorreiter in Berlin und auch Hamburg-City wollten sich die Radler unter dem Motto "Critical Mass" (Kritische Masse) zu einer unangemeldeten Rundfahrt treffen, die eine Regelung der Straßenverkehrsordnung ausnutzt, um Verkehrsraum "zurück zu erobern": Eine Gruppe von mehr als 16 Radfahrern gilt als Verbund und darf in Zweierreihen nebeneinander auf der Straße fahren. Passiert der Kopf der Fahrradschlange bei Grün eine Kreuzung, dürfen die restlichen Radler folgen, auch wenn die Ampel auf Rot springt. In manchen Großstädten blockieren so regelmäßig bis zu mehreren hundert Fahrradfahrer den Autoverkehr - weitgehend legal. "Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind Verkehr", behaupten Anhänger der Protestbewegung durchaus augenzwinkernd.

Derartigem Treiben schob die Bergedorfer Polizei am Freitag jedoch direkt einen Riegel vor. "Da im Internet und bei Facebook mit politischem Hintergrund zu der Fahrt aufgerufen wurde, greift hier das Versammlungsgesetz", erklärte der Einsatzleiter den Teilnehmern und drohte: "Wenn Sie ohne Anmeldung losfahren, schreiben wir Anzeigen."

Die Aktivisten entschlossen sich zur Kooperation mit der Polizei, benannten umgehend zwei "Verantwortliche" und meldeten die Tour als Spontan-Veranstaltung an. "Wir sollten pragmatisch, nicht dogmatisch sein. Wir haben ja nicht die Polizei als Feindbild, sondern die Verkehrspolitik", begründete Ralph Wegner aus Glinde die Entscheidung: "Mit Blaulicht vorn und hinten kriegen wir noch mehr Aufmerksamkeit."

Das allerdings sahen nicht alle so. "Das ist Verrat an der Idee der Critical Mass", so eine Teilnehmerin: "Wir hätten wenigstens die mit den Bullen abgesprochene Fahrtstrecke spontan ändern sollen." Eine Stunde dauerte die Rundfahrt. Selbst als die Radler auf der B5 fuhren, gab es keine wesentlichen Behinderungen.

Jeden dritten Freitag im Monat soll nun eine Protesttour starten, 48 Stunden vorher korrekt als Demo angemeldet. Wegner: "Die Mitglieder des Verkehrsauschusses sind herzlich eingeladen."