Bergedorf

Einer der besten Chirurgen operiert in Bethesda-Klinik

Auszeichnung: Prof. Dr. Marc Sailer landet in der Liste deutscher Top-Mediziner

"Als ich mich als Kind verletzte und der Arzt die Platzwunde nähen musste, fand ich das derart spannend, dass ich beschloss Chirurg zu werden." Und wenn Marco Sailer einen Entschluss fasst, dann setzt er ihn auch um. Heute ist der 52-Jährige Chefarzt der Klinik für Chirurgie im Bethesda Krankenhaus, leitet ein Team von 15 Assistenz- und Oberärzten und ist einer der besten Bauchchirurgen der Republik. So urteilt zumindest das Magazin "Focus", das den Bergedorfer aus 2300 Viszeralchirurgen in die Mediziner-Bestenliste wählte - zum zweiten Mal in Folge.

"Das macht mich schon ein wenig stolz", räumt Prof. Dr. Sailer ein. "Man kann sich für Preise bewerben und Titel kaufen, aber dieses Ranking gilt als völlig unabhängig."

Dass Sailer seit seiner Ernennung zum Bethesda-Chefarzt im August 2005 dort viel bewegt hat, ist unstrittig. So hat er die laparaskopische Chirurgie - sogenannte "Schlüsselloch-Operationen" mit kleinen Wundöffnungen - forciert und in seinem Spezialgebiet, der Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen und bösartigen Tumoren, das patientenfreundliche "Fast-Track"-Verfahren eingeführt. "Dabei können die Frischoperierten schon am selben Tag wieder aufstehen und dürfen sofort wieder essen und trinken", erklärt der Spezialist: "Unsere Patienten werden dadurch schneller wieder fit und es gibt weniger begleitende Komplikationen."

Eigentlich sei die Auszeichnung "Top-Mediziner" nicht nur ein Ritterschlag für ihn, sondern eine Anerkennung für die Arbeit seines gesamten Teams. "Das Bethesda-Krankenhaus ist im Bereich der Bauchchirurgie wissenschaftlich auf dem neusten Stand und braucht sich nicht vor Unikliniken zu verstecken - nur geht es hier familiärer zu."

Marco Sailer steht auch als Chefarzt jeden Tag drei bis vier Stunden im OP. "Bei komplizierten Operationen und allen Krebsfällen bin ich grundsätzlich dabei." Das sei unabhängig vom Versicherungsstatus der Patienten. Ein guter Chirurg brauche, ganz im Gegensatz zum landläufigen Image, vor allem Einfühlungsvermögen. "Man sagt uns ja nach, dass wir nur mit Patienten umgehen können, wenn sie in Narkose liegen", schmunzelt Sailer. "Dabei brauchen Gespräche mit Patienten und Angehörigen viel Empathie. Wenn ein Chirurg die seelische Betreuung vernachlässigt, ist das fatal."

Die große Verantwortung, die sein Beruf mit sich bringt, sieht er eher als Herausforderung denn als Belastung. "Nach meiner Beförderung vom Assistenz- zum Oberarzt 1998 war das zunächst brutal, plötzlich hatte man die volle Entscheidungsgewalt und die Verantwortung, auch für Fehler." Doch gerade die Notwendigkeit, schnell und spontan Entscheidungen fällen zu müssen, nicht zögern zu dürfen und nicht lange rumprobieren zu können, liebt Sailer an der Arbeit im OP. "Das unterscheidet Chirurgen von vielen anderen ärztlichen Fachrichtungen und eint uns etwa mit Piloten." So hat er schon gemeinsam mit dem fliegenden Personal aus dem Cockpit Seminare zum strukturierten Handeln bei Komplikationen gemacht. "Mich schockt heute nichts mehr", betont Chefarzt Sailer mit Nachdruck in der Stimme. Das klingt wie eine Floskel, doch ihm nimmt man es ab.

Seine Wanderjahre hat er gleich nach dem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München hinter sich gebracht. 1985 in England, danach als Assistenzarzt in Neuseeland, 1990 bis 1992 als "Medical Officer" im afrikanischen Missionshospital in Simbabwe. "Da habe ich nur im Licht einer Petroleumlampe operiert und es gab selten Strom", erinnert sich Sailer. Nach solchen Erfahrungen sehe man die heutige Apparatemedizin mit anderen Augen. "Auch die nächsten Jahre bleibt der Chirurg Chef im Ring und wird nicht durch OP-Roboter abgelöst", ist er sich sicher. Aber die Schere zwischen technisch Machbarem und finanziell Leistbarem gehe immer weiter auseinander. Sailer: "Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll." Diese Kernfrage müsse gesellschaftlich entschieden werden. "Das darf man nicht den Ärzten überlassen."

In Bergedorf ist der gebürtige Hesse fest angekommen: Privat mit seiner Frau, Gynäkologin in Wentorf, und seinen drei Kindern (18, 15, 12) sowie beruflich. "Die Bedingungen im Bethesda sind hervorragend." Der OP-Trakt werde erweitert und die Intensivstation modernisiert. Sailer wolle gerne bis zum Ruhestand bleiben. "Es gibt keinen schöneren Beruf. Das Heilen von Krankheiten ist ein Privileg und niemand zweifelt an der Sinnhaftigkeit meines Jobs."

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