Neuallermöhe

Jugendclubs knapsen an allen Ecken

Sparzwang: Kein Geld für Tarifsteigerung der Sozialpädagogen

Das Zauberwort heißt Personalverstärkungsmittel. Gemeint sind die Tariferhöhungen für Sozialpädagogen, die beispielsweise in Jugendclubs arbeiten. Das Problem: Die freien Träger bekommen nicht mehr Geld, um steigende Löhne zu zahlen. Also muss an anderer Stelle gespart werden - nämlich bei der Jugend selbst.

Dem Mädchentreff der Dollen Deerns fehlen etwa jährlich 3450 Euro. Nun wird wöchentlich eine Stunde weniger geöffnet, in den Ferien werden es 150 statt 180 Stunden sein. Da eine begleitende Honorarkraft fehlt, gibt es für Ausflüge eine Teilnehmerbegrenzung. Außerdem können die Mädchen nicht mehr täglich backen und kochen, sondern bloß noch zweimal pro Woche - mit einem geringen Kostenbeitrag.

Und so gibt es überall kleine Einschnitte: Das Kinder- und Familienhilfezentrum schränkt die Kinderbetreuung und den Telefondienst ein, weil 4000 Euro fehlen. Das Awo-Spielhaus "Kiebitz" streicht täglich zwei Angebote, insgesamt 6,5 Wochenstunden. "Wir müssen vielleicht neben dem Sonntag noch einen zweiten Tag schließen", meint Steinjuz-Leiter Andreas Raschke - und fügt hinzu, dass "wir bei nur 1,5 Stellen sowieso manchmal allein hier im Laden stehen, was nicht schön ist". Angesichts fehlender 3400 Euro werde man zunächst einmal auf den Kletterpark-Ausflug und die Übernachtungsparty verzichten.

"Uns fehlen 5000 Euro. Wir streichen Gruppenangebote und haben dieses Jahr kein Geld für eine Ferienfahrt", sagt Carola Kludasch vom Juzena: "Irgendwann klappt alles zusammen. Die Politik muss sehen, dass wir jährlich gekürzt werden." Nicht zuletzt seien ja auch ständig die Kosten für Strom, Wasser und Heizung gestiegen.

Über ihre Sorgen wird die "AG Jugend" zunächst am Montag auf dem Stadtteilbeirat Neuallermöhe berichten. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Bürgerhaus am Ebner-Eschenbach-Weg. Anschließend soll das Thema dem Jugendhilfe-Ausschuss vorgetragen werden. Dessen Vorsitzender Paul Kleszcz (SPD) wird zwar die Leitung abgeben ("Fraktionsvorstand und vier Ausschüsse waren einfach zuviel"), aber er kennt die Problematik - und zuckt mit den Schultern: Wohl habe man bislang immer noch Restmittel verteilen können, "aber im Moment ist ein Tarifkostenausgleich leider nicht absehbar".

Nun ruhen alle Augen auf dem Verhandlungsgeschick des Jugendamtes. Hier leitet Wolfgang Westerhoff den Bereich Steuerung und Förderung: "Wir können das Problem nicht wegschubsen. Im vorigen Jahr haben wir noch die Suppe verdünnt. Jetzt aber müssen wir Leistungen kürzen, können die Mittel nicht aufstocken."

Tatsächlich werde der Etat von 1,4 Millionen Euro schon zu 80 Prozent durch die Personalkosten der freien Träger geschluckt, erklärt Wolfgang Westerhoff: "In den vergangenen Jahren haben wir leider nie mehr Geld bekommen. Aber jetzt haben wir für das Haushaltsjahr 2015/16 zehn Prozent mehr beantragt. Ich hoffe, dass uns die Hamburger Fachbehörde nach den Sommerferien ein Ergebnis mitteilt."

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