Neuallermöhe

"Eigentlich müssten wir alle erwischen"

Kinder- und Jugendhilfe: Sozialräumliche Hilfsangebote sollen Lücke schließen

Als im Sommer 2012 bekannt wurde, dass das Spielhaus "Blaue Welle" den Kürzungen in der Kinder- und Jugendarbeit des Senats zum Opfer fallen soll, war der Aufschrei groß. Mit Protestzügen und Unterschriftenaktionen versuchten die Verantwortlichen noch, die Schließung zu verhindern. "Das war ein großer Schock für uns alle", sagt Ria Albert, Leiterin der DRK-Kindertagesstätte "Springmaus" und "Blauen Welle". Doch die Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit konnte als Spielhaus nicht gerettet werden. Stattdessen wurde die "Blaue Welle" zu einem Sozialräumlichen Hilfsangebot (SHA) umstrukturiert und richtet sich nun mit Beratungen und Projekten an Familien.

"Wir haben gesagt, dass kein Haus schließen muss. Und das haben wir eingehalten", sagt Jan Pörksen, Staatsrat der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Gemeinsam mit Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) besuchte er gestern - drei Monate nach der Umstrukturierung der "Blauen Welle" - das DRK-Haus am Wilhelm-Osterhold-Stieg.

"Jedes Kind, das in die Kita kommt, bringt seine Familie mit", sagt Ria Albert. Die Mitarbeiter der Kita seien also direkt an der Basis, könnten Eltern früh erreichen, Ansprechpartner für Sorgen und Ängste sein. SHA-Angebote wie Kochabende, die es in der Kita bereits gegeben hatte, werden jetzt in der "Blauen Welle" intensiviert. Elternfrühstück, Musik- und Sprachkurse oder Beratungsangebote stehen dort auf dem Programm. "Es ist wichtig, dass die Interventionskette keine Lücken hat", sagt Sozialsenator Scheele. Die "Blaue Welle" sei eine gute Ergänzung, damit frühzeitig der Kontakt zu Eltern aufgebaut und gehalten werden kann. Neben frühen Hilfen etwa in Eltern-Kind-Zentren, auch über Krippen und Kitas müsse die Erziehung der Kinder beständig begleitet werden. "Eigentlich müssten wir mit diesen verschiedenen Angeboten alle erwischen", sagt Detlef Scheele.

Einst wurden im Spielhaus jährlich 12 500 Kinder begrüßt. Heute hegt Ria Albert durchaus Zweifel: "Ich bin mir nicht sicher, ob sie alle in anderen Einrichtungen aufgefangen werden konnten."

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