Bergedorf

Hilflos: Bergedorfs Politik und der Bahnhof

Bezirksversammlung: Gleich vier Debatten zur Station

Die Degradierung des Bergedorfer Bahnhofs zum Vorortshalt samt extremen Vandalismusschäden und regelmäßig überfüllten Zügen lässt die Bezirksversammlung verzweifeln. In ihrer Sitzung am Donnerstag befassten sich gleich vier Tagesordnungspunkte mit der Station - doch alle Debatten zeugten von Frust gegenüber der ebenso ignoranten wie mächtigen Bahn, die formulierten Anträge wirkten hilflos.

Die neuen InterRegioExpress-Züge werden Bergedorf nicht, wie erhofft, regelmäßig mit Berlin verbinden. In einer nüchternen Mitteilung stellt die Bahn klar, dass die Linie zwischen Hamburg und der Hauptstadt zwar am 14. April startet, die Strecke aber über Lüneburg verläuft.

Beim Dauerbrenner überfüllte S-Bahnen im Berufsverkehr werden von der Bahn die "automatischen Fahrgastzählsysteme" des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) ins Feld geführt. Demnach sei "das Leistungsangebot ausreichend", eine Ausdehnung sei "nicht erforderlich". Für Thomas Helm (CDU) liegt das "zwischen Ignoranz und Arroganz", Michael Mirbach (Linke) sieht es "als Zeichen, wie die Bahn Bergedorf wirklich sieht". Sven Eichner (FDP) fordert, einen Vertreter des HVV in den Verkehrsausschuss zu laden, "damit er erklärt, wie das System Werte ermittelt, die so weit neben der Wirklichkeit liegen".

Zum Dauerproblem Vandalismus auf der Bahnhofstoilette weiß sich die SPD nicht mehr anders zu helfen, als die Bahn per Antrag aufzufordern, ihr Eigentum besser zu schützen. Stephan Jersch (Linke) sähe lieber die Anstellung von Toilettenpersonal: "Dann wäre jemand vor Ort. Das hilft besser gegen Vandalismus als die zuletzt für mehr als 100 000 Euro installierten massiven Drehkreuze." Für Julian Emrich (CDU) braucht es dagegen "Videoüberwachung und mehr Polizeipräsenz".

Als "unverantwortlich" brandmarkte Katja Kotzbau (SPD) die durch angeschlossene Fahrräder regelmäßig versperrte Rollstuhl-Rampe am Lohbrügger Bahnhofszugang. Die Ursache sehen Politiker aller Parteien in der zu geringen Zahl von Fahrradbügeln. Adressiert an die Bahn brachten sie nur die Bitte auf den Weg, "das Geländer der Rollstuhl-Rampe so zu schließen, dass Fahrräder nicht mehr angeschlossen werden können".

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