Stadtplanung

Wird Bergedorf mit Logistikbetrieben zugebaut?

Flächenhunger: Kritik an neuem Gewerbeflächenkonzept

"Hamburg ist die beliebteste Logistik-Region Deutschlands": Der von der "VerkehrsRundschau" und VDA-Präsident (Verband der Automobilindustrie) Matthias Wichmann vergebene Image Award zeichne Hamburg als den "dynamischsten und innovativsten Logistikstandort Europas aus" - so lobte jüngst Frank Horch. Was Hamburgs parteilosen Wirtschaftssenator freut, stößt in Bergedorf auf weniger Begeisterung. Im Stadtplanungsausschuss erntete die Abteilungsleiterin Wirtschaftsförderung (Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation), Dr. Alexandra Schubert, viel Kritik, als sie das Gewerbeflächenkonzept präsentierte.

Hamburg soll sicherstellen, jederzeit 100 Hektar verfügbar zu haben, um Wünsche nach Neuansiedlungen und Erweiterungen erfüllen zu können. Dies fordern Übereinkommen zwischen Stadt und Wirtschaft, wie etwa der gestern unterzeichnete Masterplan Industrie. Die engen Grenzen des Stadtstaates und die weiter hohe Nachfrage, besonders nach Logistik-Flächen, haben das Angebot schrumpfen lassen. Es konnten die vergangenen Jahre nicht im gleichen Maß neue Areale entwickelt werden, bedauerte Schubert.

Seit die Handelskammer jüngst mit Forderungen nach gut 120 Hektar neuer Gewerbeflächen allein im Bezirk Bergedorf massiven Protest ausgelöst hat, ist die Stimmung angespannt. Weitere Zahlen werfen Fragen auf. Nicht, dass Hamburgs Handwerk und Kleingewerbe im Jahr etwa drei Hektar Gewerbeflächen benötigen. Wohl aber, dass für Produktion und Logistik alljährlich 11 bis 15 Hektar vergeben werden, für "wissensorientierte Unternehmen" jedoch nur 3 bis 4,5 Hektar.

Wenn jährlich 20 Hektar neu benötigt werden, seien 100 Hektar Reserve doch reichlich hoch, befand SPD-Fraktionsvize Werner Omniczynski. Vor allem, wenn mehr als die Hälfte für neue Logistikbetriebe vorgesehen sind. In den 90er-Jahren hatte Hamburg noch klare Regeln, wie viele neue Arbeitsplätze je Hektar entstehen müssen. "Sollte nicht zumindest die Wertschöpfung je Flächeneinheit zum Maßstab für die Vergabe städtischer Flächen gemacht werden?", fragte Omniczynski. Wäre es nicht wesentlich sinnvoller, auf Technologie-Arbeitsplätze zu setzen, "sie sind weniger von Schwankungen betroffen als die in der Logistik"?

Dass einzig die Bezirke Bergedorf und Harburg noch Flächen für große Ansiedlungen bereitstellen können, für Industrie wie Logistik, vermag Bergedorfs Politik ebenso wenig zu überzeugen wie die Mahnung, Hamburg brauche weitere Logistikflächen, um den Hafen konkurrenzfähig zu halten. "Angenommen, die Elbvertiefung kommt nicht, wie sieht der Plan B aus?", forderte Ernst Mohnike (FDP) Aufklärung. Es überzeuge nicht, wenn der Senat den Untergang des Hafens an die Wand male, sollte Bergedorf keine Logistikflächen mehr zur Verfügung stellen, kritisierte Sven Noetzel (CDU).

Linkspolitiker Ernst Heilmann forderte ein Behörden übergreifendes Nutzungskonzept für Hamburgs knappe Flächen: "Sonst bekommen wir Wohnungsbau, Flächen für Industrie, Gewerbe und Handwerk sowie die Landwirtschaft und Ausgleichsflächen für Eingriffe in die Natur niemals unter einen Hut."

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