Hilfsprojekt

Erinnerungen sind der größte Schatz

Freiwilligendienst: Jonas Witthoeft aus Bergedorf arbeitete ein Jahr lang im Armenviertel von Kapstadt

Es sind nicht die materiellen Dinge, die in Jonas Witthoefts Leben von Bedeutung sind. In seiner Zeit in Südafrika hat der junge Bergedorfer viel gesehen und erlebt. "Und wenn ich eines gelernt habe, dann dass nichts mit immateriellen Schätzen wie guten Erfahrungen und Erinnerungen mithalten kann", sagt der 20-Jährige.

Nach seinem Abitur am Luisengymnasium im Sommer 2012 wollte er unbedingt ins Ausland. "Am liebsten nach Afrika, die Landschaft des Kontinents hat mich schon als Kind fasziniert", sagt er. Im Internet informierte er sich bei Volunation, einer Berliner Organisation für Freiwilligenprojekte, über Möglichkeiten, sich im Ausland sozial zu engagieren. In Lavender Hill, einem Armenviertel von Kapstadt, fand die Organisation am südlichen Ende seines Wunschkontinents in einem Kinder- und Jugendprojekt eine Stelle für den Bergedorfer.

In Lavender Hill sind Drogen, Gewalt, kaputte Familienverhältnisse und Gangstertum an der Tagesordnung. "Ich denke, dass die sozialen Missstände diesen Leuten häufig den Blick auf die Schönheit des Landes und des Lebens verstellen", sagt Jonas. Angst vor Überfällen hatte er aber nie: "Natürlich sollte man sich an gewisse Regeln halten", sagt der 20-Jährige. Sich immer mit dem Auto anstatt zu Fuß oder Fahrrad fortzubewegen, sollte unbedingt eingehalten werden.

Etwa 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Lavender Hill wachsen ohne Väter auf, weil diese sich nicht verantwortlich fühlen. Jonas arbeitet mit den Kindern, unterstützt Erzieher beim Unterricht im Kindergarten, zeigt den Jugendlichen deutsche Fußballtricks und versucht Jungen im "Boys Club" von der "schiefen Bahn" abzuhalten. "Doch ich habe auch erlebt, wie Jugendliche, die zu Beginn des Jahres noch in unserem Jugendprogramm waren, in den Gang-Sumpf abrutschen", sagt er. Die Hoffnung, dass die unermüdliche Arbeit der sozialen Organisationen die Missverstände vermindern kann, gibt der 20-Jährige aber nicht auf.

Mittlerweile verbringt er die meiste Zeit in Hörsälen der Uni Oldenburg, wo er seit dem Wintersemester Germanistik und Politikwissenschaften studiert. Doch auch neben all den Seminaren, Hausarbeiten und Prüfungsstress sind die Erinnerungen an seine Zeit in Südafrika stets präsent. "Ich habe eine neue Sichtweise auf das Leben bekommen. Mehr Spontaneität statt alles durchzuplanen tut manchmal ganz gut", sagt Jonas.

Infos zu Projekten und Kontakt zu Volunation gibt es im Internet unter www.ausland.org .

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