Bergedorf

Bergedorfs Bauoffensive verpufft im Nirgendwo

Bezahlbarer Wohnraum: Bis 2020 fallen 3991 Wohnungen aus der Sozialbindung

Der soziale Wohnungsbau in Bergedorf läuft nach Startschwierigkeiten wie geplant: Allein 2013 sollen 135 geförderte Wohnungen entstehen. Genau der Anteil von 30 Prozent, den Hamburg den Bezirken vorgibt. Doch die Zahlen täuschen. Denn laut einer aktuellen Antwort des Senats auf eine Anfrage der Linken fallen dieses Jahr in Bergedorf gleichzeitig 684 Wohnungen aus der Sozialbindung. So erfolgreich die Bauoffensive klingt, so schnell verpufft die Wirkung.

Für die Bürgerschaftsabgeordneten Mehmet Yildiz und Heike Sudmann von den Linken birgt das eine große Gefahr: Durch den Verlust der Sozialbindung werde es zu erhöhten Nettokaltmieten in dicht besiedelten Quartieren wie Bergedorf-West, Lohbrügge-Nord und Lohbrügge-Ost kommen. Insbesondere in Hochhausquartieren wie dem am Ladenbeker Furtweg oder dem am Röpraredder werde die Lage "prekär".

Große Sorgen macht sich auch der Bergedorfer Fraktionsvorsitzende der Linken, Stephan Jersch: "In Hamburg haben etwa 45 Prozent der Bevölkerung einen Anspruch auf eine Sozialwohnung." Selbst wenn der angestrebte Anteil an Sozialwohnungen von 30 Prozent auf 50 Prozent erhöht würde, "würde dies nicht reichen, die Verluste auch nur annähernd auszugleichen".

Die Zukunft sieht in der Tat düster aus. Aus der Senatsdrucksache geht hervor, dass von 2013 bis 2020 insgesamt 3991 Wohnungen im Bezirk aus der Sozialbindung fallen. Auch wenn man den geplanten Bau von 945 geförderten Wohnungen in sieben Jahren dagegen rechnet, bleibt ein Minus von 3046. Folge: 2020 würden nur noch 5229 von insgesamt gut 58 000 Wohnungen einer Sozialbindung unterliegen, weniger als zehn Prozent. Ein Gegentrend ist nicht in Sicht.

Wie die beiden größten Vermieter im Bezirk - die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille und die Saga/GWG - mitteilten, hätten sie nicht die Absicht, in absehbarer Zeit in sozialen Wohnungsbau zu investieren. So sagt Michael Ahrens, Sprecher der Saga/GWG: "Wir planen hier in nächster Zeit keinen Neubau öffentlich geförderter Wohnungen." Und auch Marko Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille, hält sich bedeckt. Er könne nicht absehen, wie viele Sozialwohnungen man in Zukunft baue. Gleichzeitig betont er: "Am Bergedorfer Tor sind 100 Wohnungen geplant, davon 30 Prozent gefördert."

Für Ahrens und Lohmann greift die Gegenüberstellung zu kurz. "Vielmehr stellt sich doch die Frage, was mit der Miete passiert, wenn eine Wohnung aus der Bindung läuft", sagt Ahrens. Hier gehe die Saga/GWG sehr moderat vor und lege dabei stets den Mietenspiegel als Basis zugrunde. Ähnlich sieht das Lohmann: "Die durchschnittliche Nettokaltmiete unserer Bestandswohnungen liegt bei 6,45 Euro pro Quadratmeter. Das ist günstiger als eine geförderte Wohnung nach einigen Jahren." Dort liege die Nettokaltmiete zwar anfangs bei etwa sechs Euro pro Quadratmeter, "erhöht sich aber alle zwei Jahre um 30 Cent."

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