Bergedorf

Faszination und Forschung verbinden

Sternwarte: Direktor will Weltkulturerbe

Die Forscher der Sternwarte arbeiten von Bergedorf aus buchstäblich gleichzeitig auf der halben Welt. In Mexiko wird das mehrere Millionen Euro teure und über Jahre auf dem Gojenberg erprobte "Hamburg Robotic Teleskop" ferngesteuert. Auf Mallorca beobachten die Bergedorfer die Sterne mit dem ebenfalls direkt gelenkten PTST-Teleskop. Zudem ist man Teil des riesigen europäischen Radio-Teleskops, das unter Bergedorfer Leitung gerade nahe Norderstedt eine Station erhält.

Sogar die Europäische Südsternwarte mit ihren mächtigen 8,50-Meter-Teleskopen auf dem Mount Paranal in Chile hat viel mit Bergedorf zu tun - sie wurde hier Ende der 1950er-Jahre gegründet. "Leider werden unsere Forschungsanträge dort nicht mehr bevorzugt behandelt", sagt Prof. Dr. Peter Hauschildt (51), Forscher von Weltruf im Bereich theoretischer Astrophysik und seit fast drei Jahren Direktor der Sternwarte.

Mit seinem Amtsantritt hat sich das mittlerweile 180 Jahre alte und seit 1912 auf dem Gojenberg angesiedelte Observatorium einem ungewöhnlichen Spagat verschrieben: Dem Miteinander von öffentlicher Faszination und wissenschaftlicher Forschung.

"Wir haben hier in Bergedorf die Verpflichtung, zu beweisen, dass beides geht. Denn es geht darum, die Tür aufzustoßen für die Aufnahme der Sternwarte in die Liste des Weltkulturerbes", sagt Hauschildt, auf der Sternwarte Chef von 80 Mitarbeitern. "Das bedeutet Forschung und Öffentlichkeit. Für mich ist es eine große Ehre, das als Direktor voranzutreiben."

Entsprechend wertet er die 1200 Besucher bei der Nacht des Wissens vom vergangenen Wochenende nicht etwa als Belästigung des Forschungsbetriebs, sondern sieht gerade darin auch dessen Zukunft: "Die Zeiten abgeschotteter Astronomen sind vorbei." Zwar gebe es immer wieder kleinere Probleme, vor allem wenn es um die nächtliche Beleuchtung des Parks und seiner Wege gehe. Aber letztlich erfahre die Forschung der Astrophysiker durch die neue Öffentlichkeit eine politische und gesellschaftliche Aufwertung: "Wenn es ein großes Interesse an unserer Arbeit gibt, fließen auch Forschungsgelder und andere Investitionen leichter in die Sternwarte."

Dass so auch dicke Bretter gebohrt werden, beweisen jetzt die VHH: Im Dezember wird endlich die seit Jahren geforderte Umbenennung der Haltestellen am Observatorium in "Sternwarte (Universität)" beim Haupteingang und "Sternwarte (Besucherzentrum)" an der August-Bebel-Straße vollzogen. Eine wichtige Maßnahme, um beide Gruppen besser zu trennen.

Schließlich braucht es am Ende doch viel Ruhe, um die vielseitige Forschung der Bergedorfer auf Weltniveau halten zu können. Konkret arbeiten die Teams der bald erstmals sechs Professoren an so spannenden Themen wie der Entstehung des Kosmos und der Galaxien, simulieren die Geburt von Sternen und gehen sogar der faszinierendsten aller Fragen nach: Gibt es da draußen Planeten, die die Voraussetzungen für menschliches Leben bieten?