Besichtigung

Ist es ein Denkmal - oder kann das weg?

Altes neu entdecken: In Hamburg öffnen am Wochenende über 100 Denkmäler - Kritischer Umgang mit Geschichte und Schönheit

Das wird ein Wochenende für kleine und große Entdecker: Für zwei Tage öffnen allein in Hamburg mehr als 100 Denkmäler (bei stets freiem Eintritt) sonst verschlossene Tore. Damit gehört die Hansestadt zu den Schwerpunkten des bundesweiten "Tags des offenen Denkmals", der 2013 mit "Unbequeme Denkmäler?" ein provokantes Motto hat.

"Unbequem kann dabei in mehrfacher Hinsicht verstanden werden", sagt Irina von Jagow, als Geschäftsführerin der Stiftung Denkmalpflege Hamburg Organisatoren der Vielfalt. "Wir gehen das Thema an diesem Wochenende von drei Seiten an. Da geht es einmal darum, dass Objekte als Erinnerung an Krieg, Verfolgung oder Nazi-Terror erhalten werden, was nicht jedem Eigentümer gefällt. Andererseits wird die Frage aufgeworfen, ob Denkmäler schön sein müssen, was gerade bei der Nachkriegsmoderne wie den Grindel- oder den City-Hochhäusern für Diskussionen sorgt. Und schließlich geht es auch darum, dass der Denkmalschutz für den Eigentümer unbequem sein kann. Schließlich trägt er die Verantwortung, sein Denkmal für die Allgemeinheit zu erhalten."

Für eine Rundreise unter diesen Blickwinkeln empfiehlt die Expertin einen Besuch im "Ledigenheim Rehhoffstraße", Rehhoffstraße 1-3, in der Hamburger Neustadt (Besichtigung täglich von 11 bis 18 Uhr). "1912 bis 1914 errichtet, ist es heute das letzte Haus im Zentrum Hamburgs, das möblierte Zimmer für kleines Geld bietet - und deshalb stets von Spekulanten bedroht ist", sagt Irina von Jagow. "Hier wohnen auf acht Quadratmetern mit Waschgelegenheiten im Gang 112 Menschen, darunter Seeleute oder Handwerker auf Montage."

Für dramatische Vergangenheit steht dagegen das einst jüdische Wohnhaus an der Rothenbaumchaussee 19 (geöffnet Sonntag 11 bis 16 Uhr). Es wurde 1935 durch die Nazis enteignet und dem NS-Lehrerbund überschrieben. Erst Ende 2012 verkaufte es die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft als Rechtsnachfolger an den Verein Chabad. Nun zieht wieder jüdisches Leben ins Haus ein.

Weitere Empfehlungen von Irina von Jagow sind das ehemalige Krematorium des Ohlsdorfer Friedhofs (Fuhlsbüttler Straße 756), das Sonntag von 10 bis 15 Uhr besichtigt werden kann. Und natürlich das WasserForum in Rothenburgsort (Billhorner Deich 2), das erstmals mit großem Programm für die ganze Familie dabei ist. Sonnabend und Sonntag ist dort von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Zudem gibt es Führungen und ein umfangreiches Kinderprogramm.

Für Familien weist die Denkmaltag-Broschüre gleich 15 Programmpunkte aus, darunter Windmühlen, das Hafenmuseum (Australiastraße, Kopfbau Schuppen 50a) und einen Besuch im Gängeviertel (Valentinskamp 34).

Die ganze Broschüre findet sich im Internet unter www.denkmalstiftung.de.

© Bergedorfer Zeitung 2019 – Alle Rechte vorbehalten.