Verhütung

Kondome bald auch in Bergedorf gratis?

Ausschuss: Kostenfreie Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfänger abgelehnt

). Für Bergedorfer Hartz-IV-Empfänger wird es erst einmal keine kostenfreien Verhütungsmittel geben. In seinen Bemühungen um eine Vorreiterrolle in Hamburg hat der Bergedorfer Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Integration einen Dämpfer erhalten. Denn die Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration lehnte den auf Initiative der Linken-Fraktion einstimmig beschlossenen Antrag (wir berichteten) ab.

Das negative Ergebnis musste der Ausschuss "zur Kenntnis nehmen", so die Vorsitzende Katja Kotzbau (SPD) nach der Sitzung am Dienstag. Das Thema sei damit aber noch nicht vom Tisch. "Verblüfft" war Lutz Jobs, stellvertretendes Ausschussmitglied der Linken, von dem "Niveau der Ablehnung". Dort hieß es, für den Rest der Bevölkerung sei schwer nachvollziehbar, von Steuergeldern Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfänger zu bezahlen. "Von einem demokratischen sozialen Land hätte man doch mehr erwartet", beklagt Jobs. In anderen Bundesländern werde mit dem Thema schließlich auch anders umgegangen - so hatte etwa die Beratungseinrichtung Pro Familia in der Mai-Sitzung des Ausschusses von den Erfolgen in Geesthacht und Berlin berichtet.

Jetzt gilt es, neu zu überlegen: Eine Alternative könnte die Vergabe von kostenfreien Kondomen sein. Zwei Vertreter des Vereins "Aids-Hilfe Hamburg" stellten dem Ausschuss am Dienstag ihr Projekt "Hamburg Kondom" vor, das auf eine Initiative der SPD-Fraktion Hamburg-Mitte zurückgeht: In den vergangenen Monaten haben Mitarbeiter auf Festen wie Hafengeburtstag und Umzügen wie Schlagermove schon Tausende Kondome verteilt. Der Bezirk Mitte finanzierte den Grundetat von 25 000 Euro, danach soll sich das Projekt durch Werbung tragen, die auf der Rückseite der Kondomverpackung gedruckt wird. "Kondome können auch an Beratungsstellen oder Treffpunkten verteilt werden. Auch zu Bergedorfer Einrichtungen stellen wir gern Kontakt her", sagt die Projektkoordinatorin Janina Fein: "Ab 300 Euro können Firmen auf den Verpackungen werben und bestimmen, dass die Kondome nur in Bergedorfer Beratungsstellen verteilt werden."

Sozialdemokratin Katja Kotzbau begrüßt diese Idee und hofft, sie im Bezirks umsetzen zu können: "Wenn wir Sponsoren finden, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung."

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