Markus Stolberg

Literarische Reisen auf dem "Traumschiff"

Bergedorf. Der Reisekoffer voller Bücher ist gerade erst ausgepackt, Markus Stolberg sieht gut erholt aus: "Es war mal wieder ein ganz besonderes Erlebnis auf der MS Deutschland."

Seit zwölf Jahren schon ist der Bergedorfer auf dem "Traumschiff" unterwegs - und zwar beruflich: "Ich habe eine Nische entdeckt und biete literarische Begleitung an", sagt der 55-Jährige.

Gerade erst besuchten die 500 Reisenden das Tal der Könige in Ägypten - und gleiten durch den Suez-Kanal, als Stolberg seine erste Lesung hält. Er liest aus der Rede des ersten arabischen Nobelpreisträgers Nagib Machfus, auch aus dessen fiktivem Gespräch der Nofretete mit dem ägyptischen Pharao Echnaton. "Durch solche Zitate wird das Erlebte menschlich, können sich die Reisenden besser in die Kultur einfühlen", sagt Stolberg - und kann aktuelle Erlebnisse anfügen: "Wir hatten gerade die Hafenstadt Port Said verlassen, als Aufständische sechs Stunden später den Suez-Kanal blockierten - Glück gehabt."

Weiter ging es nach Jordanien, Haifa und Tel Aviv. Für seine zweite Lesung hatte Markus Stolberg Kishon-Texte im Gepäck und die "Frühen Stätten der Christenheit", geschrieben vom Schiffsarzt Peter Bamm. Auch Rafik Shami war zu hören, denn "ursprünglich wollten wir auch nach Syrien, bis es dann hieß, dann würde die Versicherung der Reederei aussteigen."

Abends an der Bar "Zum alten Fritz" trafen sich allerhand Prominente an der Theke: Der ehemalige Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm war an Bord, um Vorträge zu halten. Justus Frantz machte Musik - nebst Ehefrau Ksenia Dubrovskaya und Sohnemann Justus Konstantin (8). Am Klavier saß der Hamburger Musiker Julius Gürtler. Und ab und zu kam Opernsänger Prof. Thomas Thomaschke vorbei.

Auch Marie Theres Kroetz-Relin, die Tochter von Maria Schell, und die bekannten Gesichter Barbara Wussow und Heide Keller wurden an Bord gesehen: Schließlich drehte man gerade die letzte Folge der ZDF-Serie "Traumschiff", in der Siegfried Rausch als Kapitän Paulsen auftritt. "Als ich in der Türkei von Bord ging, kam Sascha Hehn dazu, der künftig den Kapitän spielen wird", erzählt Markus Stolberg.

Der Bergedorfer vom Schlebuschweg ist rote Teppiche gewöhnt und trifft durch seine Arbeit viele Stars, denn er ist Schauspieler: Im Film "Der Zug" stand er an der Seite von Ben Kingsley, in "Five Days of one Summer" ("Am Rande des Abgrunds") ist er mit Sean Connery zu sehen. Gerade erst abgedreht ist die letzte Landarzt-Folge mit Wayne Carpendale und Nina Hoger: "Wer sie demnächst im Fernsehen sieht, kann mich als Bürgermeister von Kampen erkennen", sagt Stolberg, der sich am Wiener Max Reinhard Seminar ausbilden ließ, zudem die Londoner "Academy of Music and Dramatic Art" besuchte.

Im Fernsehen war der Vater dreier Söhne in den "Roten Rosen" zu sehen (als Bürgermeister), bei den "Pfefferkörnern" (als Staatsanwalt) oder im "Großstadtrevier" (als Schuldirektor). Bei "Löwenzahn" spielte er einen Astrophysiker, im "Forsthaus Falkenau" einen Auktionator und bei der "Strauss-Dynastie" einen Cellisten.

Ohnehin ist Stolberg durchaus musikalisch - am liebsten auf der Theaterbühne: "Bei 'My Fair Lady' musste ich in der Rolle des Professor Higgins natürlich singen", sagt der Bariton, der im April wieder nach Jagsthausen reist, zu den Proben für die Burgfestspiele, deren berühmtester Gast stets Alt-Bundespräsident Roman Herzog ist. Gleich drei Stücke spielt Stolberg bis Ende August: Im "Götz von Berlichingen" ist er dessen Freund Lerse, für die "Blues Brothers" macht er den Sheriff und für das Stück "Amadeus" steht der Bergedorfer als Kaiser Joseph II. auf der Bühne.

Welche Rolle wäre noch ein Traum für den 55-Jährigen? "Naja, der Mephisto ist immer die bessere Rolle als der Faust. Ich spiele oft die korrupten und fiesen Zwielichtigen, würde gern mal den Antonio Salieri geben", sagt Markus Stolberg, der auch in Hamburg zu sehen ist: Im Herbst probt er mit Volker Lechtenbrink das Stück "Mein Freund Harvey" am Ernst Deutsch Theater. Bergedorfer Theater-Fans dürften ihn ohnehin erkennen, denn "mit den Hamburger Kammerspielen war ich auch schon im Haus im Park".

Dass der Mann eine auffallend weiche Stimme hat, mag manchen Zuhörer faszinieren, der ein Hörbuch zur Hand nimmt, etwa die "Madame Bovery", "Kleider machen Leute" von Gottfried Keller oder - jetzt frisch aus dem Internet herunterzuladen - "Die Traumnovelle" von Arthur Schnitzler.

Und längst muss nicht alles hochgeistig literarisch sein, hat Stolberg doch auch ein Computerspiel (Star Wars) synchronisiert und Spaß bei Werbeaufnahmen gehabt: "Unter der Regie von Helmut Dietl habe ich mal eine Ferrero-Rocher-Werbung gemacht. Und für Citroën war ich mal eine Woche auf Mallorca und spielte einen Tankwart - der wartete natürlich vergeblich, weil das tolle Auto fast kein Benzin braucht", erzählt der Schauspieler schmunzelnd.

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