Spar-Opfer

Kürzung in der Kinder- und Jugendhilfe: "Es bleibt bitter"

Bergedorf (stri). Die Blicke sind gesenkt, der Kampf ist verloren:

Das Neuallermöher DRK-Spielhaus "Blaue Welle" muss auf 111 000 Euro verzichten und wird daher als Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit aufgegeben. Jetzt greift Plan B: Man werde zwar nicht schließen, aber innerhalb von drei Monaten umstrukturieren, vielleicht einen Frühfördertreff anbieten oder Elternberatungen, sagt DRK-Sprecher Rainer Barthel: Das Angebot soll künftig aus dem Topf für sozialräumliche Hilfen und Angebote (SHA) finanziert werden.

"Gut, dass der Jugendhilfe-Ausschuss lange ein Signal gegen die Kürzungen gesetzt hat, man kann es aber drehen und wenden - es bleibt bitter", konstatiert Angelika Jeglin ("Sprungbrett") die Einschnitte in der Jugendhilfe, die sich auf freiwillige Angebote beziehen: "Was jetzt kommt, ist verbindlicher und unter behördlicher Kontrolle."

Auch das Lohbrügger Awo-Projekt "Mobilo" wird umstrukturiert und bekommt 38 000 Euro weniger als im Vorjahr. Es soll seinen Standort am Kurt-Adams-Platz aufgeben, künftig 38 statt bislang zehn Stunden wöchentlich auf der Straße präsent sein - mit nur einer Personalstelle und jungen Menschen im Freiwilligendienst. Seine Idee habe ihn bei der Awo "lange Überzeugungsarbeit" gekostet, bemerkte Sozialraumanager Sven Dahlgaard.

Durch diese Einsparungen können indes fast alle anderen Einrichtungen mit ähnlichen Zuwendungen wie im Vorjahr rechnen, stimmte der Jugendhilfe-Ausschuss über 1 387 800 Euro ab - stets mit einer Gegenstimme der CDU: "Es darf nicht angehen, dass in diesem Bereich gespart wird - gegen die Stimmen der gesamten Opposition", mahnte Georg Schumacher. Die Einsparungen würden an anderen Stellen "in erhöhtem Maß" wieder ausgegeben.

Einen Bruder im Geiste findet Schumacher tatsächlich bei der GAL: "Ich habe nur zugestimmt, weil die Würfel gefallen sind. Aber ich hoffe, dass die SPD noch länger am Ruder ist, damit sie diese Fehler und die Flickschusterei bei der Schulreform korrigieren kann", sagte Michael Böckenholt (Juz Vierlande), der kritisiert, dass nun Schulen über Nachmittagsangebote bestimmen, "aber die offenen Kinder- und Jugendtreffs selbst haben keine Mittel für die Kooperation".

Sehr engagiert stritten die Politiker zudem über die Vorschläge des Amtes, Geld für den Bergedorfer Kindertag zu reservieren ("als Ausfallbürgschaft, falls nicht genug Spenden zusammenkommen") , zudem 12 000 Euro für die Mittagstische in den kommunalen Spielhäusern am Friedrich-Frank-Bogen und am Kurt-Adams-Platz. Da waren sich alle Fraktionen und freien Träger schnell einig: Eventuelle Rückflüsse sollten zunächst erhöhte Betriebskosten und Tarifsteigerungen abfangen. Ergebnis: Die Mittagstische sollen im Januar erstmal ihre Bedarfe erläutern, das Geld wird also zurückgestellt. Und was den Kindertag 2013 betrifft: Das Bezirksamt könne im Notfall ja einen Antrag für den Verfügungsfonds stellen.

"Wir stimmen keinen Verteilungsvorschlägen zu, die eine Kürzung in der Kinder- und Jugendarbeit vorsehen." Georg Schumacher (CDU)

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