Migranten

Stand der Integration "besorgniserregend"

Bergedorf. In Sonntagsreden wird gelungene Integration als Schlüssel für Deutschlands Zukunft gehandelt. Doch die Lage vor Ort gibt bisher wenig Hoffnung, darin ein Erfolgsprojekt zu sehen - auch in Bergedorf:

"7,1 Prozent der Jugendlichen bleiben bei uns heute ohne Schulabschluss. Die große Mehrheit darunter hat migrantischen Hintergrund, beherrscht oft die deutsche Sprache nicht", beschreibt Mathias Eichhorn, Arbeitsmarktkoordinator im Bezirksamt.

Die Quote sei damit zwar besser, als die 14,9 Prozent der jugendlichen Migranten, die laut aktuellem Integrationsbericht bundesweit ohne Abschluss dastehen. Aber sie bleibe "besorgniserregend". Eichhorn: "Wenn jemand nach Ende der Schulzeit als 'nicht ausbildungsreif' gilt, ist vorher viel schiefgelaufen. Denn eigentlich darf in unserem Bildungssystem heute kein Kind mehr verloren gehen. Aber leider bleibt die Sprache oft das Kernproblem."

Gemeinsam mit Bergedorfs Bildungsmanagerin Anna Ammonn zog Eichhorn im Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit der Bezirksversammlung ein Bild der Bergedorfer Integrationsarbeit, das wenig Licht, aber viel Schatten bietet. Zweites Kernproblem neben der Sprache: Die Vielzahl der Angebote sei nicht mal für die Profis überschaubar - von den Migranten selbst ganz zu schweigen. "Wir arbeiten gerade an einem Überblick, der im ersten Quartal im Hamburger Bildungsportal veröffentlicht wird. Ich hoffe, dass das dann auch auf die Plattform bergedorf.de kommt", sagt Anna Ammonn.

Nächste Hürde sei dann die Neustrukturierung des Europäischen Sozialfonds ESF, über den nahezu alle öffentlichen Integrationsprojekte zu großen Teilen finanziert werden. Er wird 2014 ganz neu strukturiert, weshalb alle Förderungen auslaufen - einschließlich der Koordinatorenstellen, auf denen Ammonn und Eichhorn selbst sitzen. "Ich fürchte, dass es anschließend bis zu einem halben Jahr Leerlauf gibt, bevor die Lücken durch neue, in unserem Fall hamburgweite Projekte geschlossen werden", warnt Ammonn, die dann selbst in den Ruhestand geht. Ihr Tipp: Bergedorf müsse schon jetzt festlegen, welche Projekte ab 2014 hier Realität werden sollen. "Und ich rate dringend dazu, sie nahe bei den Betroffenen anzusiedeln, also in Sozialräumen wie etwa Bergedorf-West, wo 16 Prozent der Jugendlichen keinen Schulabschluss erreichen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg, denn nur wer die Migranten quasi an ihrer Haustür abholt, kann erfolgreiche Integrationsarbeit leisten."

Angesichts dieser Perspektiven zweifelt Bergdorfs Linken-Fraktionschef Stephan Jersch an der Effektivität künftiger Integrationspolitik: "Zentralistische Hamburger Institutionen wie die Agentur für Arbeit oder das Job-Center gehören heute schon zu den Sozialraum-Blinden. Das darf keine Schule machen."

"Nur wer Migranten quasi an ihrer Haustür abholt, kann erfolgreiche Integrationsarbeit leisten." Anna Ammonn, Bildungsmanagerin des Bezirksamts