Handwerkskammer

Die Rückkehr der Czeschka-Fenster

Bergedorf. Die Handwerkskammer schaut gespannt nach Bergedorf: Bei der Glaserei Sommer an der Bleichertwiete sind die wertvollen Rekonstruktionen der "Czeschka-Fenster" für den großen Saal des Kammer-Gebäudes am Holstenwall zusammengefügt worden.

Die drei jeweils 29-teiligen Werke aus Bleiglas, pro Stück gut fünf Meter hoch, werden in dieser Woche im dritten Stockwerk des fast 100 Jahre alten Schumacher-Baus montiert.

"Eine große Ehre, dass wir dieses Projekt so aktiv begleiten dürfen", freut sich Karsten Sommer, der aus Anlass der Fertigstellung sogar zum kleinen Empfang geladen hatte: Auf den Abschied der Fenster aus Bergedorf wurde mit allen Beteiligten angestoßen, also neben seinen Mitarbeitern auch mit denen der Bahrenfelder Tischlerei Oehlmann sowie Corinna und Manuela Hempel vom Bergedorfer Glaskunst-Atelier Hempel am Achterschlag.

Tatsächlich nimmt damit ein ebenso künstlerisches wie auch finanzielles Großprojekt seinen Anfang, das bis zum 100. Geburtstag des "Gewerbehauses" in zweieinhalb Jahren komplett sein soll: Es geht um die originalgetreue Nachbildung jener Fenster, die der berühmte Jugendstil-Künstler Carl Otto Czeschka (1878-1960) vor einem Jahrhundert für den prächtigen Saal anfertigte. Sie stellten mehr als 20 Gewerke des Handwerks dar, aufgeteilt in fünf Fenstergruppen, die aus jeweils drei übereinander liegen Erker-Fenstern bestehen.

Die einzigartigen Bleiglas-Werke wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, als das Haus zwar keinen Treffer abbekam, aber der Druck von im Umfeld niedergegangenen Bomben die Fenster des großen Saals komplett in Scherben legte. Aus Geldmangel wurde die gesamte Fensterfront anschließend normal verglast.

Dass sie jetzt wieder in ihren Urzustand zurückversetzt werden können, ist einem großen Zufall geschuldet: Carl Otto Czeschka, der nach seinem Umzug aus Wien 1908 bis zu seinem Tod in Hamburg arbeitete, behielt die Entwürfe. Die kolorierten Papiere im Maßstab 1:1 blieben auch nach seinem Tod erhalten und gelangten mit seinem Nachlass schließlich zum Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Dort entdeckte sie vor einigen Jahren Handelskammer-Mitarbeiterin Hella Häussler - und setzte sich für den Nachbau ein.

Die heute 65-Jährige, mittlerweile Rentnerin, ließ nicht locker und konnte Handelskammerpräsident Josef Katzer schließlich überzeugen. Zudem fand sie mit der Bäckerei Effenberger und den Czeschka-Erben finanzkräftige Sponsoren, mit denen jetzt zumindest schon mal die ersten drei Gewerke wieder in die Fensterfront zurückkehren: Das gemeinsame Fenster der Schlachter und Bäcker, das der Buchdrucker und das der "Bauhütte zu Hamburg" sind bei der Glaserei Sommer fertiggestellt und zum Einbau vorbereitet worden.

Wann die nächsten folgen, ist noch offen. Doch auch wenn noch zwölf Fenstergruppen mit zahlreichen Gewerke-Darstellungen fehlen, darunter Schlosser, Feinmechaniker, Tiefbauer und Schornsteinfeger, ist Hella Häussler zuversichtlich: "Im Jahr 2015 wird der 100. Geburtstag des Gewerbehauses gefeiert - und das sicher auch mit wichtigen Veranstaltungen im großen Saal. Da würde es schon unangenehm auffallen, wenn einzelne der Fenstern sich dann noch immer nicht im Czeschka-Stil präsentieren."