Neues Buch

"Die verkauften Toten - verloren, vergessen, verbunden"

Bergedorf (hdt). Sie stehen im Kalender, sind in unseren Herzen aber wenig präsent: Allerseelen, Totensonntag, Volkstrauertag: Erinnerungstage, die uns unsere eigene Sterblichkeit und die kritische Auseinandersetzung mit dem Tabuthema Tod bewusst machen könnten - wenn wir es denn zuließen.

Die Bergedorfer Bestatterin und Trauerbegleiterin Regina Rosenkranz (50) - erklärte Querdenkerin der Bestattungsbranche - greift das jetzt in ihrem ersten Buch auf.

Unter dem Titel "Die verkauften Toten - verloren, vergessen, verbunden" hat sie eine Sammlung von 24 Kurzgeschichten, Gedichten und Kommentaren zusammengefasst und gemeinsam mit ihrem ehemaligen Praktikanten Jan Eijking herausgegeben. Rosenkranz, selbst Autorin eines Teils der Werke, lässt hier einfach "Betroffene" wie auch Fachkundige zu Wort kommen. "Ich hoffe, dieses Buch regt an, den Tod verstärkt mit ins Leben hinein zu nehmen. Also Verstorbene und deren Lebensende als so wichtig und wertvoll wie die Geburt eines Menschen zu begreifen", sagt die Bergedorferin. "Wir möchten der allgemeinen Sprachlosigkeit durch offenes Reden begegnen, Ängste überwinden helfen, wichtige Informationen geben, die viele Menschen nicht kennen."

Das Buch kann in der Sachsentor-Buchhandlung, bei Heymann sowie bei Rosenkranz Bestattungen, Chrysanderstraße 15, für 9,80 Euro gekauft oder bestellt werden.

Einige der Texte resultieren aus dem Rosenkranz-Schreibwettbewerb, den die Trauerlotsin auch in ihrem Internet-Portal initiiert hatte und der bundesweit Beachtung fand. Ihr Plädoyer: "Lasst Euch Eure Toten nicht wegnehmen. Schaut sie an, verabschiedet sie, feiert für sie und mit ihnen ein Fest!"

Ein Buch, das zu Herzen geht und von Herzen kommt - eben schonungslos ehrlich ist: Der provokative Titel impliziert bereits einen Angriff gegen verlorene Werte, den Trend zu Anonymität und Entfremdung, namenlosen Bestattungen und gegen "Geiz ist geil"-Mentalität im Umgang mit Verstorbenen und deren Angehörigen.

Co-Herausgeber Jan Eijking fordert eine bessere Aufklärung der Hinterbliebenen: "Oft ist ihnen unbekannt, dass sie ihre Toten bis zu 36 Stunden nach dem Sterben noch zu Hause behalten dürfen. Un dass sie auch im Krankenhaus das Recht haben, sich dort ausreichend Zeit auszubitten, nach dem Ableben noch in Ruhe Abschied zu nehmen, bevor der Tote abgeholt wird."

Da müsse eigentlich nichts schnell gehen. "Aber Tote werden heute leider viel zu häufig schnell entsorgt", kritisiert Rosenkranz, die sich als "Freundin der Hinterbliebenen" bezeichnet. "Sich direkte Erinnerungen an ein gelebtes Leben zu nehmen, indem Menschen am Tod eines Angehörigen oder Partners nicht aktiv teilnehmen können, kann ein Verlust sein, der einen seelischen Dauerschaden hinterlässt", warnt sie. "Wir lassen unsere Toten leider oft so verschwinden, als ob sie nie existiert hätten. Das kratzt schmerzhaft an der Seele der Hinterbliebenen."