Finanzierung

Politische Rettungs-Tricks für Spielhaus "Blaue Welle"

Neuallermöhe. "An die Spielhaus-Schließer" steht über einem der vielen Protestbriefe, die Kinder, Mütter und Erzieherinnen von der "Blauen Welle" gestern Bezirksamtsleiter Arne Dornquast überreichten.

Dazu gab es auf einem meterlangen Papier noch 1076 Unterschriften für den Erhalt des DRK-Hauses am Wilhelm-Osterhold-Stieg.

"Wir legen ganz viel Hoffnung in diese Aktion. Niemand versteht, warum ein so beliebter Treff für Familien mit Kindern Ende Dezember geschlossen werden soll", sagte "Blaue Welle"-Leiterin Mareike Wiedenhöft. Und hat damit scheinbar das Herz der Politiker und Behörden-Mitarbeiter getroffen: "Wir sind in Gesprächen mit dem DRK", sagte Arne Dornquast. "Es sieht gar nicht schlecht aus, dass die Schließung noch abgewendet werden kann."

Damit richten sich nun alle Blicke auf den Jugendhilfeausschuss, der Dienstag ab 17.30 Uhr im Lichtwarkhaus (Holzhude 1) tagt. Dort soll es um die "Umsteuerung von Projekten der Rahmenzuweisungen" gehen. Konkret bedeutet das nichts anderes, als die vom Senat für 2013 geforderte zehnprozentige Kürzung im Etat der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Familienförderung auszuhebeln.

Der Trick: Die von Schließung oder zumindest drastischen Kürzungen bedrohten Einrichtungen, das sind neben der "Blauen Welle" auch das Lohbrügger "Mobilo", die Kinder- und Familienhilfezentren und das Bergedorfer Projekt "Familienhelden", werden einfach aus anderen Töpfen finanziert. Und zwar aus solchen, die eigentlich staatlichen Pflichtaufgaben in der Kinder- und Jugendhilfe vorbehalten sind - für Fälle, in denen Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind. Weil die zu einem großen Teil aus Mitteln des Bundes gefüllt werden, gelingt der Politik so der Kunstgriff, den Landeshaushalt zu entlasten, ohne die lästige Pflicht, im Gegenzug Häuser zu schließen und dafür Prügel einzustecken.

Dabei hatte eine Beschlussempfehlung des Bezirksamts für den Jugendhilfeausschuss im Sommer noch eine echte Einsparung als Ziel: Nach Analyse der Bedarfe an offener Kinder- und Jugendarbeit in den verschiedenen Sozialräumen des Bezirks Bergedorf war die "Blaue Welle" als verzichtbar eingestuft worden - vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl an Kita-Plätzen und der neuen Ganztagsschule. Einsparpotenzial: mehr als 110 000 Euro.

Doch im Ausschuss, in den viele freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe selbst stimmberechtigte Mitglieder entsenden, traf das auf wenig Gegenliebe. Schlimmer noch: Um die "Blaue Welle" zu retten, wurde der Verteilungsplan für alle Einrichtungen kurzerhand auf Eis gelegt. Diesem politischen Druck erlagen nun offenbar auch die Hamburger Behörden - und basteln gerade für alle sieben Bezirke der Hansestadt am Umsteuerungs-Trick.

Ganz ohne Veränderungen im Angebot der betroffenen Einrichtungen wird das aber nicht gelingen. So wird die "Blaue Welle" künftig ihr offenes Angebot für Familien und Kinder reduzieren müssen. Dafür scheint eine enge Kooperation mit der im gleichen Haus von DRK und mittendrin! betriebenen "Springmaus" angedacht, die die amtlich verordnete Familienhilfe schon heute anbietet. "So kann eine dauerhafte Zukunft für die 'Blaue Welle' erreicht werden", wirbt Jugendausschuss-Vorsitzender Paul Kleszcz (SPD) für eine intensive Diskussion der Umsteuerung am Dienstag.

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