Urteilsverkündung

Klebeband führt zum Verbrecher

Lohbrügge. "Ich bin froh, dass der Mann gefasst und verurteilt wurde, aber ganz sicher können wir uns in unserer Wohnung immer noch nicht fühlen." Mit diesen Worten kommentierte der 29-jährige Martin F.* das Urteil des Landgerichts Hamburg gegen Vladimir P. aus Kasachstan.

Der 35-Jährige hatte Martin F. und dessen Ehefrau Julia (21) mit zwei bisher unbekannten Mittätern in deren Wohnung in Lohbrügge überfallen und ausgeraubt (wir berichteten). Gestern verurteilte das Gericht P. wegen gemeinschaftlichen Raubes, Freiheitsberaubung und Nötigung zu sechs Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe. Das Gericht ordnete die Unterbringung des Drogenabhängigen in einer Therapieeinrichtung an.

Am Mittwoch vergangener Woche war das Paar als Zeugen gehört worden. Julia F. brach bei der Schilderung des Überfalls in Tränen aus, auch ihr Mann war vom Geschehen am 5. Januar noch sichtlich mitgenommen. Durch einen Anruf der "bz" erfuhren sie gestern von dem Urteil:

"Das Urteil ist sicher in Ordnung", sagt Martin F., "aber es wurde nur ein Täter verurteilt, was ist mit den beiden anderen? Die laufen noch frei herum, wir haben Angst, dass sie wiederkommen könnten". Das Ehepaar möchte am liebsten aus Lohbrügge wegziehen, "aber es ist fast unmöglich, in Hamburg eine bezahlbare Wohnung zu finden".

Vladimir P. und seine Komplizen waren unter bisher ungeklärten Umständen in die Lohbrügger Wohnung gelangt. Martin und Julia F. wurden mit einer Pistole bedroht, mit Paketklebeband gefesselt und geknebelt. Martin F. musste die PIN-Nummer seiner EC-Karte preisgeben. Die Räuber durchwühlten die Wohnung, nahmen Wertgegenstände mit und hoben 1000 Euro vom Geldautomaten ab.

Das Klebeband wurde Vladimir P. zum Verhängnis. Weil er keine Schere zur Hand hatte, biss er es durch und hinterließ damit erstklassige DNA-Spuren. Den Überfall gab er auch zu, nicht aber eine ähnliche Tat in Schwerin. Dort soll er eine dreiköpfige Familie in deren Wohnung mit zwei Mittätern überfallen haben. Bei dieser Tat war er mit einer Wollmütze maskiert, eines der Opfer riss ihm die Mütze jedoch vom Kopf. Auch darauf fand die Polizei DNA-Spuren von Vladimir P.

Das Geständnis des Überfalls in Lohbrügge bewahrte P. vor einer deutlich höheren Strafe. "Ohne dieses Geständnis hätte die Strafe durchaus im zweistelligen Jahresbereich liegen können", sagte der Vorsitzende Richter Gero Nix in der Urteilsbegründung.

*Name geändert