Geburtstag

Bergedorfs "Suppentopf" wird 15 Jahre

Bergedorf (upb). Heute kommen immer mehr junge Mütter mit kleinen Kindern - vor allem in der zweiten Monatshälfte, wenn die Haushaltskasse leer ist:

Der "Suppentopf" der Kirche St. Petri und Pauli versorgt immer dienstags und donnerstags um 12 Uhr Bedürftige mit einer kostenlosen warmen Mahlzeit.

Was heute zum Bergedorfer Alltag gehört, basiert auf einem Experiment vor 15 Jahren: Mitte November 1997 machten sich die sechs Damen vom Diakonie-Ausschuss der Kirche mit Körben voll Brot, Obst und Joghurt auf zum Bahnhof: "Dort stand damals die Trinker-Szene. Das waren arme Gestalten, die ihr Leben nicht in den Griff kriegten", erinnert sich Ulrike Eckert-Riecke. "Wir luden sie ein, in unserem Gemeindehaus kostenlos zu speisen."

Das Angebot kam an, auch wenn es einige Wochen dauerte, bis sich der Saal füllte.

Heute versorgt das Team um Köchin Erika Harden (71) stets um die Hundert Menschen mit wechselnden Suppen, Nachtisch sowie Kaffee und Kuchen. Wer gespeist hat - und das ist Pflicht beim Suppentopf - kann sich am Ausgang mit Lebensmitteln der Bergedorfer Tafel eindecken.

"Ich bin mir sicher, dass der 'Suppentopf' für viele unserer Gäste die einzigen warmen Speisen der Woche bietet", sagt Ulrike Eckert-Riecke (65), die das Projekt für die Kirche managt. "Neben den Müttern mit ihren Kleinkindern versorgen wir Menschen, die daheim oft nicht mal Geschirr oder Gewürze haben, geschweige denn einen Herd."

Weil der "Suppentopf" vor 15 Jahren genau dort ansetzte, wo unsere Gesellschaft Hilfe braucht, fand er viele Nachahmer. In Bergedorf war er Keimzelle der Tafel, die ein halbes Jahr später gegründet wurde. Und seit einigen Jahren gibt es mit "Ratzeputz" nebenan im Pastorat auch eine kostenlose Kinderspeisung - ebenfalls dienstags und donnerstags, nach Schulschluss um 14 Uhr.

Bei aller Freude über den Erfolg dieser Projekte, macht die Tafel dem "Suppentopf" aber an einer empfindlichen Stelle Konkurrenz: "Die Spenden sind fast auf Null gesunken", bedauert Pastor Andreas Baldenius. "Wir würden uns wünschen, dass zumindest ein Teil der jährlich rund 8000 Euro für Reinigung, Reparaturen und neues Küchenmaterial wieder von engagierten Bergedorfern kommt."