Interview

Wenn Madonna besser singen könnte

Bergedorf. Der "Mann am Klavier" war einer seiner größten Hits und ist noch immer die Rolle seines Lebens. Deutschlands Swing-Legende Paul Kuhn (84) gastiert morgen Abend mit seinem Paul Kuhn Trio im "Haus im Park". "bz"-Redakteur Thomas Voigt hat im Hotel Reichshof mit "Paulchen" geplaudert.

"bz":

Herr Kuhn, kennen Sie Bergedorf?

Paul Kuhn:

Klar kenne ich Bergedorf. Das kommt gleich als erstes auf dem Weg von Hamburg nach Berlin. Vor vielen Jahren habe ich dort mal in einem Kaufhaus gespielt.

Schlager, Tanzmusik, Swing oder Jazz?

Von allem ein bisschen, glaube ich. Aber ich weiß es nicht mehr so genau.

Sie sind mit dem Jazz großgeworden, aber Ihre größten Erfolge haben Sie mit Tanzmusik beim SFB und mit Gassenhauern wie "Es gibt kein Bier auf Hawaii" gefeiert. Hat Ihnen der Jazz in dieser Zeit gefehlt?

Wenn man den Jazz einmal im Blut hat, geht das Gefühl dafür geht nicht weg, und daher fehlt er auch nicht. Dass ich damit aber als gereifter Musiker auf Tournee gehen darf und mein Publikum finde, das war nicht selbstverständlich. Und darüber bin ich sehr, sehr glücklich.

Woher stammt eigentlich der Name "Paulchen"?

Na, das war wohl das Publikum, das mich so genannt hat. Und dann hat die Presse das ganz schnell aufgegriffen. Schon bei meinen ersten Auftritten im Schwarzweiß-Fernsehen wurde ich so genannt.

Und Ihre Frau? Nennt die Sie auch "Paulchen"?

So weit kommt das noch. Vor ein paar Jahren habe ich einmal gekontert. Da hat eine Radio-Frau zum Schluss zur mir gesagt: "Vielen Dank, Paulchen." Und ich habe geantwortet: "Aber gern, Barbarachen." Die war dann richtig empört.

Es stört Sie also doch?

Nun ja, dieser Spitzname hat meiner Karriere ja nicht gerade geschadet. Da soll man dann auch nicht meckern.

Bevor Sie sich als Jugendlicher zum ersten Mal ans Klavier setzten, haben Sie Akkordeon gelernt. Können Sie darauf noch spielen?

Na klar. Das habe ich erst letztes Jahr bei einem Fernseh-Interview bewiesen. Auf der Bühne möchte ich das Instrument aber nicht einsetzen. Der Klang ist einfach zu sehr mit populärster Volksmusik verbunden. In den USA allerdings gab es mit Art Van Damme bis vor ein paar Jahren einen brillanten Jazz-Musiker, der Akkordeon gespielt hat. Er ist vor zwei Jahren mit 90 gestorben.

Gibt es einen Musiker, mit dem Sie gern mal auftreten würden? Madonna vielleicht?

Wenn die besser singen könnte, dann vielleicht. Aber so... Ein gemeinsames Konzert mit Frank Sinatra war lange Zeit mein Lebenstraum. Und beinahe wäre er wahr geworden. Bei Sinatras letztem Deutschland-Konzert 1993 in Köln kam Frankies Managerin auf mich zu und erzählte mir, man hätte erwogen, mich ins Vorprogramm zu bitten. Sie haben es dann aber anders überlegt, weil unser aktuelles Repertoire zu ähnlich war.

Gibt es ein schönstes Konzert in Ihrem Leben, das Sie auf keinen Fall missen wollen?

In meiner Heimatstadt Wiesbaden, die Tournee zu meinem 80. Geburtstag. Ich war zu Hause, und wir wurden bejubelt wie selten zuvor. Das hat mich dann doch gerührt.

Und ein Konzert, das Sie am liebsten für immer vergessen würden?

Hmm, das war in Köln in einem kleinen Club. Da hatte der Veranstalter doch tatsächlich vergessen, einen Flügel zu organisieren. Stattdessen wurde dann in aller Eile ein elektrisches Keyboard herbeigeschafft. Und das war wirklich ein ganz fürchterliches Instrument.

Für den Konzertabend mit dem Paul Kuhn Trio (Bass: Martin Gjakonovski, Schlagzeug: Willy Ketzer) morgen im Haus im Park gibt es noch wenige Karten. Sie sind zu Preisen zwischen 13 und 27 Euro erhältlich beim Lichtwark-Ausschuss (Wentorfer Straße 30, Tel. (040) 4 28 91-20 06), im CCB-Ticketshop oder an der Abendkasse am Gräpelweg 8. Das Konzert beginnt um 20 Uhr.