Überfall

Das Martyrium eines Ehepaars

Lohbrügge. In ihrer Wohnung am Ladenbeker Furtweg lebten Martin und Julia F.* über eine Stunde lang in Todesangst, gefesselt und geknebelt war das junge Ehepaar (30 und 21 Jahre alt) drei brutalen Räubern hilflos ausgeliefert.

Die drei Täter hatten sich unter einem Vorwand Zugang zu der Wohnung verschafft, das Ehepaar mit einer Pistole bedroht, beide wurden sofort mit Paketklebeband gefesselt und geknebelt. Martin F. musste die PIN-Nummer seiner EC-Karte preisgeben.

"Wenn die Nummer nicht stimmt, passiert deiner Frau etwas", drohte einer der Räuber, fuhr zur nächsten Haspa-Filiale und hob dort 1000 Euro vom Geldautomaten ab. Die beiden anderen durchwühlten in der Zwischenzeit die gesamte Wohnung. Mit 800 Euro aus einer Spardose sowie einem Notebook, einem Handy, einer Digitalkamera und Goldschmuck im Wert von mehreren Tausend Euro verschwand das Trio schließlich.

Martin und Julia F. konnten sich selbst aus ihren Fesseln befreien und die Polizei rufen. Die Sofortfahndung verlief erfolglos. Einer der drei Täter des Überfalls vom 5. Januar konnte später jedoch gefasst werden. Gestern begann vor dem Landgericht Hamburg der Prozess gegen Vladimir P.

Der 35-Jährige aus Kasachstan soll eine Woche zuvor an einer ähnlichen Tat in Schwerin beteiligt gewesen sein. Gemeinsam mit einem unbekannten Mittäter überfiel er dort eine dreiköpfige Familie in ihrer Wohnung, so der Vorwurf des Staatsanwalts. Vladimir P. war mit einer Wollmütze maskiert, der Wohnungsinhaber riss ihm aber die Mütze vom Kopf und konnte ihn bei einer Foto-Vorlage der Polizei identifizieren. Bei diesem Überfall erbeuteten die Täter nur rund 100 Euro Bargeld.

Die Wollmütze und das beim Fesseln verwendete Klebeband führten die Polizei schließlich auf die Spur von Vladimir P. Seine DNA war wegen zahlreicher früherer Straftaten gespeichert, DNA-Spuren konnten nach beiden Überfällen sichergestellt werden. Am 16. Mai nahm ein Mobiles Einsatzkommando den Mann in seiner Wohnung in Schwerin fest, seitdem sitzt er in Hamburg in Untersuchungshaft.

Vor der Polizei hat Vladimir P. den Überfall in Lohbrügge gestanden, die Tat in Schwerin aber geleugnet. Vor Gericht schwieg der Angeklagte zunächst zu den Tatvorwürfen, der Vorsitzende Richter Gero Nix empfahl ihm aber dringend ein Geständnis. "Natürlich dürfen Sie von ihrem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch machen, niemand muss sich vor Gericht selbst belasten", so der Richter. Die Beweismittel seien aber erdrückend, und ein Geständnis könne sich "steuernd" auf das Strafmaß auswirken.

In einer Verhandlungspause besprach P. das Thema mit seinem Verteidiger Ralf Oliver Schürmann. Dabei müssen wohl deutliche Worte gefallen sein. Nach der Pause kündigte der Anwalt ein umfassendes Geständnis seines Mandanten an. Der Prozess wird fortgesetzt.

(* Namen geändert)

"Wenn die Nummer nicht stimmt, passiert Deiner Frau etwas." Täter zu Opfer Martin F.