Sielbau

Politik fürchtet noch vier Jahre Gestank in Bergedorf-Süd

Bergedorf. Es ist ein süßlicher Verwesungsgeruch, der jedem Passanten in den Straßen von Bergedorf-Süd sofort in die Nase steigt. Und zwar schon seit Monaten. Die Bewohner scheinen das nicht mehr wahrzunehmen.

Oder sie sind einfach glücklich, dass es nach jahrelangen Sielbauarbeiten bloß noch aus der Kanalisation stinkt, statt aus ihren Kellern, die vor einem Jahr mehrfach von einer Fäkalienflut überschwemmt wurden.

So will sich Bergedorfs Bezirksversammlung nicht an der Nase herumführen lassen. Auf Antrag von Paul Kleszcz (SPD) wurde ein Referent des städtischen Unternehmens Hamburg Wasser, zuständig für den Sielbau, in den nächsten Hauptausschuss (15. November, 17.30 Uhr, Rathaus) geladen. Dann gilt es, reichlich dicke Luft zu vertreiben. Denn die Politiker rümpfen die Nase darüber, dass trotz neuer größerer Siele die Geruchsbelästigung alltäglich geworden ist.

"Es stinkt aus allen Sielen, ja selbst aus Regenfallrohren, die den Geruch bis in die Dachgeschoss-Wohnungen transportieren. Hamburg Wasser ist in der Pflicht, schnell zu reagieren", sagt Kleszcz. "Der aktuelle Hinweis, das Problem würde erst mit dem Ende des Sielbaus 2016 enden, ist inakzeptabel."

So lange will Hamburg Wasser gar nicht warten, versichert Sprecher Matthias Sobottka: "In dieser Woche werden im Neuen Weg und benachbarten Straßen Biofilter und Geruchsverschlüsse in die Siele eingebaut. Damit sollte das Problem behoben sein." Für die Regenfallrohre der Anlieger sei das Unternehmen aber nicht zuständig. "Dort ist der Einbau von Geruchsfiltern Sache der Grundeigentümer", ergänzt Sobottkas Kollege Ole Braukmann.

Falls alle Filter und Verschlüsse wirkungslos bleiben sollten - was Hamburg Wasser angesichts von Erfahrungen in anderen Stadtteilen ins Reich der Fantasie verweist - gibt es tatsächlich noch einen letzten Plan: Im alten Bergedorfer Klärwerk, gut 400 Meter südlich von Bergedorf-Süd gelegen, könnte eine Abluftbehandlungsanlage eingebaut werden. Es wäre ein Millionen-Projekt, das per Unterdruck sämtliche Luft aus der Kanalisation unter dem Stadtteil absaugt. "Ob das wirklich nötig ist, kann erst in vier Jahren beurteilt werden - nach Abschluss der Sielsanierung", sagt Ole Braukmann.