MEK-Einsatz

Nach Überfall auf Penny: Wohnung des Täters gestürmt

Lohbrügge. Polizisten mit Maschinenpistolen, dunkelgrauen Helmen und ebensolcher Kleidung - was kurz vor Mitternacht am Sonnabend gegenüber vom Unfallkrankenhaus Boberg geschah, wirkte wie eine Szene aus einem Action-Film.

Dass es brutale Wirklichkeit war, machte den Anwohnern in der Parallelstraße zur B 5 ein heftiger Knall deutlich: Die Beamten des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Polizei stürmten die Wohnung von Sebastian B. (38). Sie brachen die Tür auf, warfen eine Blendgranate und durchsuchten alle Räume im ersten Stock des Mehrfamilienhauses.

Doch der Gesuchte war nicht zu Hause. Also übernahmen Beamte der Spurensicherung die Regie, während das MEK ebenso erfolglos noch das Dach in Augenschein nahm. Dort hatte sich Sebastian B. schon einmal versucht, vor der Polizei zu verstecken. Der gewaltbereite Lohbrügger ist bereits wegen mehrerer Raube und Diebstähle aktenkundig.

Dass dieses Mal gleich das MEK anrückte, hatte mit einem bewaffneten Überfall auf den nahen Penny-Markt an der Weberade zu tun. Dort war der 38-Jährige gegen 20.30 Uhr maskiert und mit einer schwarzen Schusswaffe hinein gestürmt. Er forderte Geld, richtete die Pistole auf die 54-jährige Kassiererin, die ihn 20 Minuten zuvor beim Ladendiebstahl erwischt und alle Beute abgenommen hatte.

Weil eine Kundin (32) gerade mit EC-Karte bezahlte, hielt er beide unendlich lange Sekunden mit der Waffe in Schach. Bis plötzlich der Zahlvorgang abgeschlossen war und die Kasse automatisch aufsprang. Jetzt ging alles ganz schnell: Der Lohbrügger griff in die Kasse, riss den Sortiereinsatz samt kompletten Einnahmen heraus und rannte aus dem Laden. Über den Kassenbereich ergoss sich eine Flut von Kleingeld, die Scheine steckte er ein - laut Polizei eine Beute von 150 Euro.

Dann verlor sich seine Spur zunächst. Aber einerseits hatte ihn die Kassiererin eindeutig als Ladendieb wiedererkannt. Andererseits war er auch der Kundin bekannt: Sie erinnerte sich daran, dass Sebastian B. am Nachmittag bei Medimax im Marktkauf-Center beim Diebstahl einer Playstation erwischt worden war. Die frische Strafanzeige mit seinen gesamten Personalien lag also in der Bergedorfer Wache vor.

So war es möglich, dass der Lohbrügger nur wenige Stunden nach seinem Penny-Überfall Besuch vom MEK bekam. Beim Zugriff blieb er zwar verschwunden, sichergestellt wurden aber ein Einhandmesser, Pfefferspray und die mutmaßliche Tatwaffe, die sich als Schreckschuss-Pistole entpuppte. Auch Bargeld wurde gefunden - vermutlich seine Beute von Penny.

Dass Sebastian B. in derselben Nacht doch noch der Polizei ins Netz ging, liegt an seinen aufmerksamen Nachbarn. Gegen 2.30 Uhr, als MEK und Spurensicherung längst abgerückt waren, meldeten sie der Wache, dass Schritte in der Wohnung zu hören seien. Weil mittlerweile klar war, dass er beim Überfall keine echte Schusswaffe benutzt hatte, fuhren jetzt Bergedorfer Streifenwagen zur Wohnung. Um 2.30 Uhr klicken Sonntag früh die Handschellen. Sebastian B. sitzt jetzt in Untersuchungshaft.