Glosse

Das Übel bei der Wurzel packen

Die Welt ist ungerecht. Auch die vor unserer Haustür, sogar in Bergedorf.

Damit sie ein bisschen fairer wird, greift die Linke in der Bezirksversammlung jetzt unter die Gürtellinie: Weil die Vereinten Nationen die Familienplanung zu den grundlegenden Menschenrechten zählen, müsse es in Bergedorf ab sofort kostenfreie Verhütungsmittel für alle Hartz-IV-Empfänger geben, fordern die engagierten Kämpfer in Sachen sozialer Gerechtigkeit.

Sie haben ja so Recht. Von den 14 Euro im Monat, die der Regelsatz der Arbeitslosengeld-II-Empfänger und Grundsicherungsrentner für Gesundheitsvorsorge vorsieht, bleibt nach Praxisgebühr und Medikamenten-Zuzahlungen nichts mehr übrig. Die Folgen ahnen nun auch die Linken: Während die arbeitende Bevölkerung den ganzen Tag im Büro oder auf der Baustelle schuftet, bekämpft die Hartz-IV-Truppe daheim die Langeweile. Was nicht immer nur mit Fernsehen geht. Und zack - wieder Nachwuchs am falschen Ende der Sozialskala. Nur weil der Griff in die Schale mit den Verhüterlis ins Leere ging.

Also lieber das Übel bei der Wurzel packen. Das wird billiger als lebenslange Familienunterstützung, größere Wohnungen, Kriminalitätsbekämpfung und schließlich Zuschuss-Rente. Auch die unheimlichen Begegnungen in den einschlägigen Stadtteilen werden weniger, wo 28-jährige Mütter mit acht bis zehn Kindern zwar auch unter der Last der Blagen-Schar stöhnen, aber treu hinzufügen: "Das tun wir ja nur, damit wir Deutsche nicht aussterben."

Die Stoßrichtung ist alternativlos: Endlich kostenfreie Verhütungsmittel für die da unten - damit Hartz-IV wieder Spaß macht! Oder wie war das gemeint?