Castillo Mundo King

Ein Bergedorfer Schloss mitten in der Karibik

Bergedorf/Sosúa. Es erinnert ein bisschen an ein futuristisches Märchenschloss. Oder an eine Mischung aus exotischem Tempel und orthodoxer Kirche.

Vielleicht ist das "Castillo Mundo King" von Rolf Schulz, ehemaliger Bergedorfer und jetzt mit Wohnsitz in der Dominikanischen Republik, tatsächlich eine Art Tempel. Und zwar ein Tempel der Kunst.

Seit nunmehr 23 Jahren gestaltet der heute 71-Jährige sein Haus in dem Ort Sosúa an der Nordküste des Inselstaats in der Karibik zu einem gigantischen Museum um: Die einstige Hotel-Bauruine ist vollgestopft mit haitianischer Kunst, verziert mit Zinnen, Balkons, Terrassen, Ornamenten und Fantasiegebilden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung widmete dem "Weltenretter" und seinem "Märchengeisterschloss" einen großen Artikel. Tochter Mirja Kraemer meint: "Er hat ein Kunstwerk geschaffen."

Die 32-Jährige ist vor kurzem von einem längeren Aufenthalt in der Dominikanischen Republik zurückgekehrt. Die Freiberuflerin möchte ihrem Vater unter die Arme greifen: "Man müsste das Haus als Museum bewerben, Touristen hinführen und Eintritt nehmen", sagt sie. Vielleicht könne man auch irgendwann Übernachtungen anbieten. Initiativen, die aber sie selbst oder andere Menschen übernehmen müssten: "Mein Vater kümmert sich ausschließlich um seine Kunst, das ist seine Welt."

Und das war auch schon so, als Rolf Schulz noch in Bergedorf, am Steinkamp, lebte. Als selbstständiger Bauingenieur plante er einst große Objekte, verdiente gutes Geld, arbeitete nach der Trennung von seinem Geschäftspartner als Grundstücksverwalter. Bereits Mitte der 1980er-Jahre begann er, sich der Kunst zuzuwenden. Und brachte es in der Region zu einiger Berühmtheit. Projekte wie sein "Brüllwald" im Sachsenwald, die Baumsärge auf der Hamburger Moorweide oder die "Leuchtenden Gräber" waren viel beachtet. Auch die Pläne, mit den "Bille-Studios" eine Art Mini-Hollywood in Bergedorf aufzubauen, oder einen Sakralbau am Sandtorhöft zu errichten, schafften es immer wieder in die Presse. Er ließ Plakate an Michail Gorbatschow überreichen und empfing russische Delegationen in seinem Atelier, um seine "Leuchtenden Gräber" in Leningrad ausstellen zu dürfen.

Doch ein Urlaub 1988 in der Dominikanischen Republik veränderte sein Leben. Hier fühlte sich Rolf Schulz gleich heimisch - und hier erwarb er schließlich die Bauruine eines Appartementhauses am Ende einer steilen Straße. 1989 begann er damit, das Haus umzugestalten - pendelte aber weiterhin zwischen Bergedorf und Sosúa hin und her. "Er hatte hier noch eine Freundin und seine Arbeit", sagt Mirja Kraemer. Erst 2002 siedelte Rolf Schulz endgültig in die Dominikanische Republik um.

Seitdem ist aus dem leeren Appartementhaus, das einst aus kaum mehr als zwei Ebenen, einigen Pfählen und Treppen bestand, ein fantasievolles Kunstwerk geworden. Stein- und Holzskulpturen, Gemälde und raketenähnliche Gebilde stehen auf den Terrassen und Balkonen. Und Rolf Schulz sammelt und baut immer weiter. Er selbst lebt von dem, was neugierige Touristen an Spenden da lassen, zudem verkauft er einen geringen Teil der Kunst weiter. "Doch er kommt mehr schlecht als recht klar. Und was er übrig hat, steckt er ins Haus", weiß seine Tochter Mirja Kraemer.

Die 32-Jährige, die in Bergedorf und der Dominikanischen Republik insgesamt drei Halbgeschwister hat, ist fasziniert von dem künstlerischen Enthusiasmus ihres Vaters: "Wer hat denn heutzutage schon noch so viel Leidenschaft?", meint sie. Dass er in Sosúa als "genialer Spinner" gilt, weil er an Ufos und Außerirdische glaubt und wie ein Einsiedler lebt, weiß sie. "Aber manchmal denke ich, dass er das auch ein bisschen mit Absicht macht, weil er weiß, dass das sein Alleinstellungsmerkmal ist."

Eigenbrötlerisch ist er dennoch, zivilisatorische Errungenschaften kümmern ihn nicht. Das Haus hat noch immer kein Strom und fließend Wasser oder gar einen Telefonanschluss. Auch einen Computer oder ein Handy hat er nicht. Abends zündet der 71-Jährige Kerzen an und blickt aufs Meer. Mirja Kraemer meint, dass es "irgendwie meine Pflicht als Tochter ist", ihren Vater zu unterstützen, damit sein Lebenswerk auch außerhalb von Sosúa Beachtung findet. Sie ist fest davon überzeugt, dass ein bisschen Werbung und Marketing für das Museum schnell durchschlagenden Erfolg hätte: "Wenn das Haus einmal bekannt ist, dann ist das ein Selbstläufer."