Jugend aktiv

Sie helfen, wenn es an Perspektiven fehlt

Bergedorf. Manche haben es sich selbst eingebrockt, andere sind schlichtweg vom Pech verfolgt und die nächsten sind vielleicht zu träge: Wer zwischen 18 und 25 Jahre alt ist, ohne Ausbildung oder Arbeit, hat düstere Zukunftsperspektiven.

Diesen Menschen zu helfen - in Bergedorf waren im September immerhin knapp 200 Menschen dieses Alters bei der Arbeitsagentur gemeldet - ist die Aufgabe der neuen "Jugendaktivierer".

Ihr Projekt heißt "Jugend aktiv" und wird vom Europäischen Sozialfonds gefördert. In Kooperation mit der Sozialbehörde und der Lawaetz-Stiftung hat der Internationale Bund (IB) die Trägerschaft übernommen, darf jährlich im Bezirk Bergedorf 64 000 Euro investieren. Für aufsuchende Sozialarbeit und mobile Beratung wurden zunächst Sergey Pervushin (50) und Ingo Feistner (41) engagiert. Sie wissen, mit welchem Problem man sich an wen wenden kann, bieten unkompliziert und kostenlos Hilfe, wenn Ratsuchende freiwillig kommen und doch verbindlich reagieren.

Da ist etwa der Deutsch-Türke (24), der noch bei seinen Eltern wohnt, ein Drogenproblem hat und mit der Mutter seiner kleinen Tochter im Streit liegt. Um welche Baustelle muss er sich zuerst kümmern? Er wird zu Kodrobs weitergereicht, wo ihm eine Therapie angeboten wird - der Rest unterliegt der Schweigepflicht.

"Wir betreuen auch eine 19-Jährige aus Ecuador. Sie ist schwanger und arbeitslos, weil ihr nach zwei Jahren der befristete Job nicht verlängert wurde. Sie besucht jetzt erst einmal einen Deutschkursus", sagt Sergey Pervushin, der für die Awo zuvor acht Jahre lang als Straßensozialarbeiter in Harburg unterwegs war und seine Arbeit liebt: "Ich komme mit Menschen in Kontakt und kann ihnen Hilfe anbieten."

Die "Jugendaktivierer" sind nicht nur im Grünen Zentrum, auf Sportplätzen, am Billebogen oder vor dem Bahnhof unterwegs, um junge Leute anzusprechen. Auch gibt es drei Standorte mit offenen Sprechstunden: Dienstags von 16 bis 18 Uhr am Walter-Rudolphi-Weg 29 in Neuallermöhe (das ist der Container des Straßensozialarbeiters Alexander Gaal), beim IB an der Bergedorfer Straße 162 (mittwochs von 15 bis 17 Uhr) und in der Lohbrügger Kompetenzagentur am Ludwig-Rosenberg-Ring 1 (donnerstags, 16 bis 18 Uhr). Hier können Hilfesuchende einen Berufseignungstest machen und Bewerbungen schreiben und eine Begleitung zum Jugendamt oder zum Jobcenter vereinbaren.

Zunächst bis Ende 2013 wird das Projekt gefördert, Pendants gibt es in vier weiteren Hamburger Bezirken.