Thema der Kirche

Besuch und Gegenbesuch

Manchmal fragt man sich, was die Leute so tun in der offenen Kirche.

Und was es ihnen bringt, so kurz, wie sie manchmal nur da bleiben. Oder denen, die gar nicht richtig reingehen, sondern gleich in der ersten Bank bleiben, von der aus man in unserer Kirche noch nicht einmal den Altar sehen kann. Was nehmen sie mit?

Einem Pastor fiel ein alter, bescheiden wirkender Mann auf, der jeden Mittag die Kirche betrat und sie kurz darauf wieder verließ. Eines Tages fragte er den Alten, was er denn in der Kirche tue. Der antwortete: "Ich gehe hinein, um zu beten." Als der Pfarrer verwundert meinte, er verweile nie lange genug in der Kirche, um wirklich beten zu können, sagte der Besucher: "Ich kann kein langes Gebet sprechen, aber ich komme jeden Tag um zwölf und sage: Jesus, hier ist Johannes."

Eines Tages musste dieser Johannes ins Krankenhaus. Ärzte und Schwestern stellten bald fest, dass er auf die anderen Patienten einen heilsamen Einfluss hatte. Die Nörgler nörgelten weniger, und die Traurigen konnten auch mal lachen. "Johannes", sagten sie, "du bist immer so gelassen und heiter." "Ach", winkte Johannes ab, "dafür kann ich nichts. Das kommt durch meinen Besucher." Doch niemand hatte bei ihm je Besuch gesehen. Er hatte keine Verwandten und auch keine engeren Freunde. "Dein Besucher", fragte eine Schwester, "wann kommt der denn?" "Jeden Mittag um zwölf. Er tritt ein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Johannes, hier ist Jesus."

Solche Besuche - und Gegenbesuche! - in der Kirche, zu Hause, im Krankenhaus oder draußen in der Sonne wünsche ich Ihnen.