Integration

Ein starker Wille führt zum Erfolg

Lohbrügge. Als Gülfidan Aktas sich im Jahr 1970 entschloss, ihre türkische Heimat zu verlassen und nach Deutschland auszuwandern, hatte sie einen Traum: Sie wollte ihren beiden Kindern die Chance auf eine bessere Zukunft ermöglichen.

Sie selber war in einem kleinen anatolischen Dorf aufgewachsen, hatte nie eine Schule besucht, weder Lesen noch Schreiben gelernt.

Ganz allein, ohne Ehemann und Kinder, machte sich die damals 24-Jährige auf den Weg nach Bayern. Und ihr Mut zahlte sich aus: Gülfidan bekam eine Anstellung am Fließband in der Zigarrenproduktion, konnte nach drei Monaten ihre knapp sechs Jahre alte Tochter und ihren dreieinhalbjährigen Sohn nach Deutschland holen. Weitere drei Monate später folgte auch ihr Ehemann. Seitdem sind 42 Jahre vergangen, in denen sich die Familie Aktas in Deutschland eine neue Heimat aufbaute und integrierte.

Wieder vereint in Bayern, zog die Familie vom Süden bald nach Geesthacht, wo Gülfidans Traum Wirklichkeit wurde: Ihre Kinder absolvierten erfolgreich die Schule, als Landesbester von Schleswig-Holstein schloss Sohn Ali seine Lehre als Kfz-Mechaniker ab und eröffnet heute als Betriebsleiter die Firma "AWF-Auto" in Lohbrügge. "Ich habe mit gesundem Ehrgeiz immer versucht das Optimum zu erreichen. Damit kam auch der Erfolg", erzählt der 46-Jährige.

Doch am Anfang musste die Familie einige Hürden meistern: Beide Eltern arbeiteten, um die Familie ernähren zu können. In der Zeit musste der vierjährige Ali mit seiner zwei Jahre älteren Schwester alleine zu Hause bleiben. Als sie dann ein Jahr später eingeschult wurde, durfte Ali sie in die Grundschule begleiten, damit er daheim nicht allein auf sich gestellt war.

Im folgenden Jahr wurde er regulär in die erste Klasse eingeschult: "Dadurch hatte ich schon einen kleinen Bonus", sagt er schmunzelnd. Die Schule und das Lernen hätten ihm stets Spaß gemacht: "Das ist immer eine Sache von Wollen", sagt Ali Aktas.

An seine Kindheit in Geesthacht denkt der Kfz-Meister deshalb gerne zurück: "Ich war der Exot in der Nachbarschaft, alle Kinder wollten mit mir spielen", sagt er. Wegen seiner Herkunft aus einem fremden Land habe es auch Hänseleien gegeben: "Doch da muss man einfach drüberstehen", sagt er.

Doch heute sei das häufig nicht mehr so einfach: "Leistungsdruck und Konkurrenz in der Gesellschaft werden immer stärker, darunter leiden nicht nur Kinder und Familien. Man wird aggressiver, verliert die Toleranz und Geduld gegenüber anderen Menschen und Kulturen", sagt er.

Ali Aktas sieht sich heute als Glückskind: "Ich habe die Möglichkeit bekommen, zwei Kulturen in mir zu tragen", erklärt er. Deutsche Tugenden wie Ordnung und die südländische Gelassenheit seien eine gute Mischung.

"Wir stammen aus ärmlichen Verhältnissen, haben trotzdem viel geschafft", sagt der dreifache Familienvater nicht ohne Stolz. Barack Obamas Motto "Yes we can" sei dabei auch sein Motto gewesen: "Evet biz yapabiliriz - Ja wir können", sagt er.

Auch privat hat er sein Glück schon lange gefunden, ist seit 1989 mit seiner Ehefrau Meryem verheiratet, lebt mit ihr und den drei gemeinsamen Kindern in einem Geesthachter Häuschen. Beruflich ruht er sich nicht aus, kämpft zielstrebig und diszipliniert um den Aufstieg.

Nach Stationen in Autohäusern, Werkstätten und einer eigenen Tankstelle freut er sich auf die Aufgabe als Betriebsleiter der AWF-Autowerkstatt und Handel, die heute, 11 bis 18 Uhr, an der Bodestraße 10 öffnet. "Das ist eine Position, die mich im Leben weiterbringen kann", sagt er mit Blick in die Zukunft.

Dafür wurde er sich als türkischstämmiger Deutscher wünschen, dass die Menschen mit mehr Toleranz aufeinander zugehen und so mehr Freundschaften zwischen den Kulturen entstehen: "Das würde zur Verständigung sehr viel beitragen", so der 46-Jährige.